Sonntag, 22. August 2010

Milliansstrass 5 - Kapitel 27 und folgende

Milliansstrass

Roman von Karl Weiss

Cuvilliér-Theater

1. Veröffentlichung, 5. Stück, Kapitel 27 und folgende


27. Kapitel


27. Beatrix und die Detektive

Wenn ich mich heute erinnere, wie der Sex war mit diesen Frauen, so ist mir im Gedächtnis geblieben: Die meisten nahmen meinen Hintern in die Hände, wenn ich auf ihnen lag und den Penis durch ihre Vulva rieb. Manche streichelten den Hintern, manche drückten und walkten ihn durch, doch die meisten nahmen ihn einfach in die Hände und drückten ihn und damit mich an sich, wodurch das Reiben in der Vulva auf mehr Widerstand stiess und wohl mehr Reibung erzeugte.

Die Frauen öffneten alle die Beine bei diesem Sex, aber einige schlangen dann die Beine um mich und drückten mich so heftiger an sich - was wohl den gleichen Effekt erzeugte wie das An-sich-Drücken des Hinterns mit den Händen.

Wenn sie zum Orgasmus kamen, drückten sie mich dann manchmal so heftig an sich, dass ich schon fürchtete, sie würden mir etwas brechen. Manche der Frauen warfen auch den Kopf hin und her, wenn sie am Höhepunkt waren.

Dann wurde schon wieder eine Epoche in meinem Leben eingeleitet. Susanne erzählte mir später, wie das anfing:

„Zu jener Zeit, Ende Juni, lud Baronin von Schlonthoff uns alle – das heißt die anderen 13 - zu einem Fünfuhrtee ein. Du erinnerst dich, die Baronin war jene ältere Dame mit roten Haaren. Als wir bemerkten, sie hatte genau deine ‚Kundinnen‘ eingeladen, wußten wir schon, um was es ging. Alle bis auf eine waren gekommen (eine Einladung der Baronin konnte man schlecht ausschlagen).

Nachdem wir unseren Tee getrunken hatten uns ein wenig über die letzten Gerüchte der besseren Gesellschaft geredet hatten, eröffnete die Baronin die Diskussion:

„Meine Lieben, ich habe mich entschlossen, Sie einzuladen, um ein Thema von gemeinsamen Interesse zu besprechen. Wir haben uns dort alle gesehen und Sie wissen, von was ich spreche. Ich nehme an, Sie haben alle die gleiche Erklärung unterschrieben wie ich.“

Wir nickten zustimmend.

„Das heißt, wir sind alle in der Hand einer Kriminellen und ihres Komplizen und sind alle erpreßbar. Diese Situation ist absurd. Ich nehme an, sie stimmen mit mir überein: Das muß geändert werden.

Ich habe mir erlaubt, bereits die ersten Schritte einzuleiten. Ich habe für uns Herrn Mitter engagiert, einen Privatdetektiv, der wirklich gut ist und habe ihm zwei meiner eigenen Bediensteten an die Seite gestellt, die ihn bei seinen Aufgaben unterstützen.

Seit gestern sind die drei dabei, Informationen über jene feine Dame und jenen Robert zu sammeln.

Die Herren haben zwei Aufgaben: Erstens, uns aus dieser kompromittierenden Situation herauszubringen, d.h. jene Erklärungen zu finden und dem Zugriff der Kriminellen zu entziehen – und Zweitens, Informationen über die beiden Kriminellen zu erlangen, die es uns erlauben, sagen wir, einen gewissen Einfluß auf sie auszuüben.

Ach – und noch etwas: Ich würde mich freuen, wenn jede von Ihnen sich mit DM 3.000 an den Kosten für den Detektiv beteiligt.“

Das war, wenn die Baronin dies sagte, eine Verpflichtung und keine Bitte. Jeder von uns war klar, die Baronin würde die Erklärungen jeder Einzelnen nicht ohne diese Zahlung herausrücken – wenn sie denn gefunden wurden.

„Diese Summe dürfte voraussichtlich für die ganze Arbeit ausreichen. Falls sie sich länger hinzieht, werde ich eventuell noch um eine zusätzliche Zahlung bitten müssen. Die beiden Männer, die ich zur Verfügung gestellt habe, sind mein Anteil.“

Das hatte sich die Baronin fein ausgedacht. Sie brauchte ihrem Mann nicht die Verwendung von DM 3.000 zu erklären. Ihre beiden Bediensteten waren ja sowieso zu bezahlen und ihr Mann hatte natürlich anderes zu tun, als genau die Arbeit jedes Bediensteten nachzuprüfen. Die anderen verheirateten Damen hatten jetzt jenes zusätzliches Problem von 3.000 DM. Nicht daß nicht jede von ihnen leicht Zugang zu einer solchen Summe gehabt hätte, aber Ehemänner, auch wenn sie reich sind, pflegen Fragen zu stellen.

Jetzt ergriff Frau Astenburg, die Gattin eines Industriellen, das Wort:

„In diesem Zusammenhang dürfte es interessieren, daß ich auch bereits auf die Idee mit dem Detektiv gekommen bin. Mein Detektiv arbeitet bereits zwei Wochen an dem Fall. Er hat folgendes herausgefunden:

Jene Frau Zimmer lebt mit ihrem vermutlichen Liebhaber Robert Scherer in einer Wohnung in der Sonnenstrasse. Scherer ist ein einschlägig bekannter Zuhälter. Er betreibt ein geheimes Bordell außerhalb von München, bei Haar. Das Bordell ist als Hotel getarnt. In der Wohnung in der Sonnenstrasse sind die Erklärungen nicht, dort ist auch kein Tresor oder ähnliches. Ihr Detektiv kann es sich sparen, dort noch einmal zu suchen. Mein Detektiv vermutet, daß sie die Erklärungen in einem Bankfach oder etwas ähnlichem aufbewahrt. Er hat aber auch jenes ‚Hotel‘ noch nicht näher untersucht.

Es dürfte sinnvoll sein, daß wir unsere Kräfte auf ein Team konzentrieren. Ich werde also meinem Detektiv Anweisung geben, seine Aktivitäten einzustellen und die Informationen an Ihren Herrn Mitter weiterzugeben. Hier ist die Karte meines Detektivs.“

Und gab die Visitenkarte der Baronin.

„Ich nehme an, damit ist mein Anteil bezahlt. Mein Detektiv hat ihrem Team wochenlange Arbeit erspart. Lassen Sie den Herrn Mitter mit ihm Kontakt aufnehmen.“

Jetzt nahm die Baronin wieder das Wort:

„So weit – so gut. Ich werde Sie über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Zu diesem Zweck schlage ich vor, daß wir uns bis auf weiteres hier bei mir 14-tägig am Mittwoch zum Fünfuhrtee treffen.“

Und fügte ironisch hinzu:

„Dienstag und Donnerstag geht wohl nicht.“

Bevor alles zum Aufbruch ansetzen konnte, ergriff Frau Ampfing das Wort, die einzige in unserem Kreis, die kein reines Hochdeutsch sprach, sondern mit deutlichem bayerischem Akzent. Trotzdem war sie sehr geachtet, denn sie zeichnete sich immer durch sehr ausgewogene Meinungen aus und war eine Person, an die man sich wenden konnte, wenn man sich aussprechen wollte.

„Ich glaube, wir haben noch ein anderes Problem, das nicht von Detektiven gelöst werden kann. Auch wenn es uns gelingt, jene Frau Zimmer in die Hand zu bekommen, so hat sie doch immer noch die Hauptperson in der Hand, nämlich unseren jungen, allseits geschätzten Freund. Er ist ihr offenbar zugetan. Ich denke, wir müssen anfangen ihm klarzumachen, daß sie ihn ausbeutet.“

„Er kann doch eigentlich nicht so naiv sein, daß er das nicht merkt!“ schaltete sich jetzt Frau Schätzinger ein, die Frau eines Brauereibesitzers.

„Vielleicht sollte ich an dieser Stelle kurz von meinem Detektiv berichten.“

unterbrach jetzt meine Freundin Sibylle (Sibylle Staudinger, Frau des Baulöwen).

„Ich habe nämlich ebenfalls bereits einen Detektiv beschäftigt. Ich fühlte mich allerdings nicht so sehr von Frau Zimmer bedroht als von unserem jungen Freund. Denn Frau Zimmer gibt in der Erklärung ja selber zu, daß sie die Wohnung zur Verfügung stellt. Damit macht sie sich der Kuppelei und der Beihilfe zur Unzucht mit Minderjährigen schuldig (Wie man sieht, hat Sibylle einen guten Anwalt).

Wer tatsächlich völlig ohne Angst gegen uns aussagen könnte, ist unser Sexprotz. Mir schien das Ganze stark nach einer Falle, nach Erpressung zu riechen. Die Berichte über unseres Freundes Naivität erschienen mir dagegen eher fragwürdig, so wie Frau Schätzinger offenbar auch nicht daran glauben mochte.

Ich ließ also den Detektiv herausfinden, wo und wie dieser Karl wirklich lebt und was an den Erzählungen wahr ist. Die Ergebnisse waren überraschend: Der Junge lebt wirklich bei seinen Eltern in der Thierschstrasse. Er geht jeden Morgen in die Schule. Sein Vater ist Studienrat und hat ein Nettoeinkommen im Bereich von 1.000 bis 1.500 DM pro Monat. Er hat noch drei Schwestern und der Lebensstandard der Familie entspricht diesem Einkommen, d.h. sie leben in einfachen Verhältnissen.

Im Vergleich dazu lassen sie uns kurz überschlagen, was der Junge monatlich verdient: Tausend mal 10 pro Woche sind 10.000, mal 4 pro Monat sind 40.000. Wenn er die Hälfte davon bekommt, sind das 20.000 DM pro Monat. Damit könnte er leben wie ein König.“

Ich warf ein:

„Frau Zimmer gibt an, daß sie seinen Anteil auf ein Konto deponiert.“

„Trotzdem ist es fast unvorstellbar, daß er in einfachsten Verhältnissen weiterlebt, während er Hunderttausende auf dem Konto hat.“

„Die einzige Erklärung ist, daß er tatsächlich so naiv ist, wie gesagt wird.“ “

Ich hatte natürlich keine Ahnung von dieser ‚Sitzung‘, aber ich merkte, wie die Frauen mich ab diesem Moment freundlicher behandelten und wie sie begannen über Beatrix zu reden.

Sie fragten mich, ob ich wüßte, wieviel ich eigentlich verdiene. Ich sagte immer nur, ich sei nicht am Geld interessiert, weil ich sowieso nichts damit anfangen könne.

Die gleiche Antwort bekamen sie, wenn sie mich fragten, ob ich es richtig fände, wenn Beatrix die Hälfte vom Verdienst einsteckt und ob ich überhaupt Zugang zu dem Konto hätte.

Auf die staunende Frage, warum ich dies denn machen würde, wiederholte ich in schöner Regelmäßigkeit:

„Weil ich es gerne mache, weil es schön ist.“

„In jener Woche nach dem ersten Fünfuhrtee bei der Baronin konsultierte ich unseren Anwalt, du weißt, Dr. Angerfurth. Er war der Anwalt meines Mannes gewesen und half mir sehr nach dessen Tod.

Ich fragte ihn, ob er zu Stillschweigen verpflichtet sei, wenn ich ihm eine kriminelle Tat gestehe und er sagte ja, dazu sei er verpflichtet. So erzählte ich ihm, was wir machten und was wir Frauen für Pläne hatten. Er war geschockt. Er sagte:

„Gnädige Frau, ich muß Ihnen dringend raten, hiermit nicht fortzufahren. Ich befürchte, Sie sind bereits in größten Schwierigkeiten. Diese Dinge werden üblicherweise zu Erpressungen benutzt und wahrscheinlich sind Sie bereits erpreßbar. Jene Erklärung hätten Sie nie unterschreiben dürfen. Das Ganze wird natürlich nicht besser, wenn man jemanden einbrechen läßt, um diese Beweise zu vernichten.“

„Aber, Herr Dr. Angerfurth, sehen wir das Ganze doch einmal ganz kühl an. Jetzt ist doch schon passiert, was passieren konnte, oder nicht? Wenn ich jetzt weitermache, wird die Strafe doch keineswegs erhöht, oder?“

„Liebe gnädige Frau, lassen Sie uns nicht an die Strafe denken. Lassen Sie uns sehen, wie Sie aus dieser Situation herauskommen.“

„Gehen Sie einfach davon aus, daß wir Frauen alle weitermachen wollen. Geben Sie uns Ratschläge auf dieser Grundlage.“

Er blieb lange, lange still. Dann, ganz leise:

„Also gut. Ich will nichts damit zu tun haben, aber Sie müssen unbedingt diese Erklärungen aus der Welt schaffen. Danach müssen wir sehen, welche Beweise und Zeugen noch vorhanden sind. Die beiden Zuhälter dürften kaum als Zeugen taugen. Aber der Junge selbst! Sie sagen, er macht es nicht wegen Geld, sondern aus Lust an der Sache?“

„Ja!“

„Dann wird er Sie auch nicht erpressen, jedenfalls bis auf weiteres. Aber Sie müssen damit rechnen, daß ihn später jemand auf diese Idee bringt. ‚Unzucht mit Minderjährigen‘ verjährt erst nach 10 Jahren. Sie müssen versuchen, ihn persönlich kennenzulernen, vielleicht können Sie seine Freundschaft gewinnen?“

„Herr Dr. Angerfurth, ich liebe diesen Jungen!“

„O mein Gott, Sie sind wirklich in Schwierigkeiten!“

Was er uns noch riet, war so schnell wie möglich die Treffs aus dem Hotel weg zu verlegen. Dort gab es eine Menge Personal, das einbezogen sei. Die könnten als Zeugen dienen!“

Etwa zu dieser Zeit machte mich Beatrix darauf aufmerksam, daß es am darauffolgenden Montag etwas besonderes zu sehen geben würde. Sie hatte eine Hündin, die sie hatte sterilisieren lassen. Sie bot sie Besitzern männlicher Hunde an, die ihren Lieblingen eine Freude gönnen wollten, wenn die Hündin ‚läufig’ war. Sie sagte, die Hundehalter zahlten dafür nicht viel, aber sie verdiente mit Männern, die dabei gerne zusahen.

An jenem Montag saß ich also zusammen mit zwei Männern im ‚Wohnzimmer“, jeder vor einem der halbdurchsichtigen Spiegel. Mit Stühlen und Pappdeckeln hatte Robert eine Art von Sichtschutz zwischen uns aufgebaut.

Beatrix hatte eine grosse Decke über das Bett im "Schlafzimmer" gebreitet und es direkt an die Spiegel herangeschoben. Die Hündin, sie war mittlerer Grösse und wohl einer Mischrasse zugehörig, wurde auf das Bett gestellt.

Dann kam auch schon der erste Hundehalter mit einem Schäferhund. Er ließ ihn von der Leine und der sprang auf das Bett zu der Hündin. Die beiden streiften ein wenig umeinander herum, schnüffelten aneinander und dann sah ich, wie der Phallus des Hundes sich langsam entwickelte. Zuerst sah nur eine kleine rote Spitze heraus, dann wurde sie länger und länger und schliesslich kam am Ansatz ein roter Bollen zum Vorschein.

Sobald der Phallus entwickelt war, stieg der Schäferhund über die Hündin und schon war er drin. Wie ich es schon vorher gesehen hatte, rammelte er mit hoher Geschwindigkeit. Wir konnten alles sehr gut sehen, denn wir waren nur einen Meter entfernt, getrennt durch die Spiegelscheibe.

Rechts und links neben mir konnte ich bereits heftige Bewegung ausmachen. Die beiden anderen Männer holten sich bei diesem Anblick einen herunter.

Die Hündin hielt ganz still, tat so, als das Ganze sie nichts anginge. Nach kurzer Zeit ging der Rüde von ihr herunter. Sein Herrchen streichelte ihn. Dann gesellte er sich wieder zur Hündin auf dem Bett und das ganze wiederholte sich. Ich bemerkte, wie ich auch einen Harten bekam.

Ob man als Mann bei einer solchen Hündin da hineinfahren konnte? Platz war offenbar genügend, denn der Phallus von dem Schäferhund war mindestens so lang wie der eines ausgewachsenen Mannes, wenn auch etwas dünner.

Da kam auch schon Beatrix ins Zimmer der Hunde und erklärte die Sache für beendet. Der nächste Hundehalter mit seinem Hund kam herein und alles wiederholte sich.

Jetzt begann ich auch mich zu stimulieren. Ich stellte mir vor, die Hündin zu vögeln und kam schon nach kurzer Zeit zum Höhepunkt.

Danach hatte ich die Lust verloren und machte mich auf den Weg. Im Vorbeigehen sah ich, wie der eine Mann immer noch heftig seinen Phallus rieb. Erneut wunderte ich mich, wie lange Manche das betreiben können.


28. Die Villa und noch einmal Viviane


So wurden jetzt unsere Dienstag- und Donnerstagnachmittage erneut verlegt.

Der Dienstag ging zurück in jene Wohnung von Beatrix, aber der Donnerstag wurde in eine Villa im Münchner Stadtteil Bogenhausen verlegt, die Susanne gehörte.

Ich dachte zunächst, sie wohne dort. Später aber erfuhr ich, sie wohnte in einer Villa am Starnberger See und jene Villa in Bogenhausen war ihrem verstorbenen Mann ‚zugefallen’, als einer seiner Schuldner nicht mehr zahlen konnte.

Der Park mit der Villa lag direkt am Isarufer, genau da, wo heute der Mittlere Ring die Isar überquert. Sie beeindruckte mich sehr. Sie lag auf einem großen Grundstück, einem kleinen Park, das sich von der Föhringer Allee bis ans Isarufer hinunter zog.

Damals war die noch nicht in Heinrich- bzw. Thomas-Mann-Allee umgetauft und es gab dort nirgends einen öffentlichen Zugang zum Isarufer. Vielmehr gingen die Villengrundstücke bis zum Isarufer. Erst im Zuge des Baus des Mittleren Ringes wurde dies umgestaltet.

Die Villa stand unter einigen hohen alten Bäumen und der Park war völlig verwildert. Da waren Wege, die ganz überwachsen waren, Statuen, von denen nur noch der obere Teil aus dem Bewuchs herausragte und der frühere Rasen war zu einer Blumenwiese geworden.

Die Villa selbst war riesig, 12 Zimmer und Säle, die Kammern nicht mitgezählt. Sie war völlig möbliert, aber in den meisten Zimmern waren weiße Tücher über die Möbel gezogen, was ein gespenstisches Aussehen vermittelte.

Nur im Erdgeschoß, rechts vom Eingang, waren einige Zimmer in Benutzung, hauptsächlich das Schlafzimmer mit einem richtigen, großen Himmelbett, daneben, ein kleines, ‚Salon‘ genanntes Wohnzimmer und eine kleine Küche nebst einem Bad mit Dusche und Toilette.

In diesem Schlafzimmer fanden nun die Donnerstagnachmittage statt.

Susanne erzählte mir später, diese Villa habe sie bis dahin nur genutzt, wenn sie in München war und abends oder nachts nicht mehr bis Starnberg fahren wollte, um zu übernachten.

Die Villa gehörte ihrem Mann erst seit kurz vor seinem Tode, so daß er keine Zeit mehr hatte, sie einer neuen Bestimmung zuzuführen. Nach seinem Tode hatte Susanne anderes im Kopf, als sich um die Villa zu kümmern und ließ einfach nur die Möbel abdecken und die Villa bewachen.

Später hatte sie versucht sie zu vermieten, aber das gestaltete sich schwierig, denn sie hatte eine alte Kohlezentralheizung im Keller, die man nur mit ziemlichem Aufwand betreiben konnte. Leute aber, die genügend Geld hatten, eine solche Villa zu mieten, hatten keine Lust, ihre Zeit mit dem Aufrechterhalten der Heizung zu verbringen.

Wirklich reiche Leute aber, die genügend Personal für so etwas hatten, besaßen selbst Villen und brauchten keine zu mieten.

Erst nach dem Einbau einer Ölzentralheizung (die kamen damals gerade auf) wäre die Villa vermietbar gewesen, doch Susanne hatte diese Entscheidung noch aufgeschoben.

Ich hätte gerne diesen Park und die Villa ein bißchen ‚erforscht‘, außerhalb meiner Treffen mit den Frauen. Aber ich war noch nicht so gut bekannt mit Susanne, daß ich gewagt hätte zu fragen.

Jedenfalls gewann Susanne gewaltig in meinen Augen. Ich begann jetzt mehr darauf zu achten, was sie sagte. Sie sagte, sie liebe mich, sie bat mich, es nur noch mit ihr zu machen und nicht mehr mit den anderen, und sie bat mich, sie zu heiraten. Ich sagte aber nur zu ihr:

„Ich bin nur ein Schüler von 15 Jahren, ich denke noch lange nicht ans Heiraten.“

Zur gleichen Zeit begann auch eine der anderen Frauen, jene Sibylle, auf mich einzureden, ich solle es nur noch mit ihr machen. Sie bot mir ein Jahresgehalt von 200.000 Mark an, wenn ich ihr Angestellter würde.

Später erhöhte sie noch das Angebot, weil sie dachte, ich hätte es abgelehnt, weil es zu niedrig war und nicht, weil ich es gar nicht in Erwägung gezogen hatte. Für eine Frau wie sie war es einfach unvorstellbar, jemand könne nicht hinter geld her sein.

Doch gerade zu dieser Zeit gab es zwei Ereignisse, die mir nun zumindest ein wenig den Eindruck vom Wert des Geldes gaben, was für den weiteren Verlauf meines Lebens noch Bedeutung bekommen sollte.

Zuerst kam etwas, das meine Mutter vor Freude weinen ließ. Mein Vater bekam eine Steuerrückzahlung von etwa 1.800 DM. Meine Mutter sagte unter Tränen, davon könne sie alle ihre Schulden zurückzahlen und zusätzlich könnten wir noch einen Fernseher mit Musiktruhe kaufen, was dann auch geschah.

Ich konnte mir leicht ausrechnen, diesen Betrag in weniger als zwei Stunden ‚Arbeit‘ zu verdienen und wunderte mich, wie so wenig Geld (wie ich meinte) meine Mutter so glücklich machen konnte.

Danach kam die Sache mit dem Fotoalbum. Ich hatte zum Geburtstag (15 Jahre alt) eine Boxkamera bekommen und wollte meine ersten Fotos in ein Fotoalbum kleben.

Nun hatte ich mir in den Kopf gesetzt, es selbst zu basteln. Das sei billiger als kaufen. Meine Mutter gab mir also Geld, um die Utensilien einzukaufen. Sie sagte, sie habe im Moment nur einen Zwanzigmarkschein und gab mir den.

Ich ging also einkaufen und kam mit allem zurück, von dem ich glaubte, es für mein Fotoalbum zu brauchen. Als ich meiner Mutter das restliche Geld gab, fiel sie fast um vor Schreck:

„Was, du hast fast 16 Mark ausgegeben, um Dinge für ein Fotoalbum zu kaufen, wo man doch schon sehr schöne für sieben Mark kriegt!?“

Sie schrie mich an: „Ich hätte gedacht, du wärst schon etwas vernünftiger!“

Mir schien die Szene, die sie da machte, völlig absurd angesichts einer so geringen Summe. Langsam kam ich jetzt aber doch dahinter, eine wie imposante Summe Tausend Mark für jedes Mal waren.

Ich sprach Beatrix jetzt auf das Geld an und sie reagierte sofort. Sie hatte offenbar schon so etwas erwartet. Sie bot mir sofort 75% statt 50% an und ich sagte, das sei in Ordnung.

Auf meine Bitte zeigte sie mir auch das Sparbuch. Es waren etwas über 80.000 DM drauf und ich stellte die Frage, ob das wirklich alles wäre. Ich wußte ja, ich verdiente schon zwei Monate lang 20.000 DM pro Monat und auch die vier Monate zuvor mußte der Betrag schon sehr hoch gewesen sein.

Ich bemerkte, daß das Sparbuch nicht auf meinen, sondern auf ihrem Namen lautete und sie bot sofort an, es umschreiben zu lassen. Tatsächlich gingen wir kurz danach zur Städtischen Sparkasse im Tal und das Sparbuch wurde auf mich umgeschrieben.

Gleichzeitig tauchten auch noch zusätzliche 20.000 DM auf, von denen sie sagte, sie hätte sie sich nur ausgeliehen und jetzt sowieso zurückgegeben. Ich merkte, sie hatte ein schlechtes Gewissen und begann zu überlegen, ob die Frauen nicht Recht hätten mit dem, was sie über Beatrix sagten. Meine Sympathie für sie bröckelte weiter ab.

Ich hatte also nun ein Sparbuch mit 100 000 Mark, das sich allerdings noch unter ihrer Obhut befand.

Ein anderes Ereignis war für mich ebenso wichtig: Ich lernte jetzt meine erste Freundin kennen. Es war Viviane, die wir ja schon kennen. Sie war inzwischen 13 Jahre alt, war jetzt genauso groß wie ich und hatte sich zu einer bezaubernden Heranwachsenden entwickelt. Mir schien sie extrem schön und anziehend. Ich wagte am Anfang nicht, ihr nahe zu kommen.

Wir hatten uns damals nach der Zeit der ‚Raufspiele‘ aus den Augen verloren, wohnten ja aber immer noch nicht allzu weit voneinander. Nun sprachen wir von den alten Zeiten, aber nicht nur.

Wir begannen eine ‚richtige‘ Freundschaft, aber hier, mit einem Mädchen in meiner Altersklasse, war alles anders. Nichts von meinen ‚Erfahrungen‘ ließ sich anwenden. Tatsächlich berührten wir uns während der Zeit unserer Freundschaft kaum und kamen nie über ein paar Küßchen hinaus. Wichtig war für mich, mit ihr über alles sprechen zu können.

Nach einiger Zeit vertraute ich ihr wirklich und erzählte von meinen Treffen mit den Frauen. Sie nahm das ganz gelassen. Sie meinte, ich hätte ja damals beim ‚Raufen‘ auch schon ‚Talente‘ gezeigt.

Ich behauptete, ich täte es des Geldes wegen. Sie sagte, es sei toll, wieviel Geld ich verdienen konnte.
Mir wäre nicht im Traum eingefallen, sie könnte alles ihrem Vater erzählen. Aber das ist schon ein anderes Kapitel.


29. Sommerferien

Was vorher noch geschah, waren die Sommerferien 1961. Wie schon in den beiden vorherigen Jahren machte unsere Familie (mit Ausnahme meiner großen Schwester) Ferien im Defreggental in Osttirol in Österreich.

Diesmal fuhr ich aber nicht mit Zug und Omnibus mit meinen Eltern, sondern mit dem Rad, ganz allein. Eine Strecke war in drei Tagen zu schaffen. Auf dem Hinweg fuhr ich über den Brenner, auf dem Rückweg über die Grossglockner-Hochalpenstrasse (damals gab es den Felbertauerntunnel noch nicht, abgesehen davon, daß man da mit dem Rad nicht durchfahren darf).

Ich übernachtete in Jugendherbergen. Mir gefiel es, allein Rad zu fahren. Man konnte sich ganze Geschichten ausdenken. Ich stand in ihnen meistens im Mittelpunkt.

Dazu kam, daß dort am Ferienort St. Veit allen Leuten meine sportlichen Großtaten (die zweimal dreitätigen Radfahrten) erzählt wurden und danach zurück zu Hause, erneut alle Bekannten und Verwandten davon erfuhren. Das Staunen und die anerkennenden Worte päppelten mein Selbstgefühl gewaltig auf.

Andererseits erlebte ich dort aber auch eine bittere Niederlage. In der gleichen Pension wie wir war auch eine andere deutsche Familie abgestiegen, mit einer Tochter etwa in meinem Alter. Ich fand sie unheimlich attraktiv und verliebte mich in sie, so wie sich Fünfzehnjährige verlieben.

Ich konnte meine Augen nicht von ihr wenden und ich sah, daß sie auch manchmal zu mir her schaute. Ich war aber meilenweit davon entfernt auch nur daran zu denken zu wagen sie anzusprechen. Sie sprach mich auch nicht an – das entspräche ja nicht ihrer Frauenrolle – und so blieb das Ganze beschränkt auf Blicke.

Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was ich machen könnte, um mich ihr anzunähern. Dann – dachte ich – ergab sich eine hervorragende Gelegenheit.

Eines Morgens wurde in einem Kreis von 10 bis 12 Personen, Einheimischen und Touristen, darüber gesprochen, wie lange man braucht, um den ‚Hausberg‘ des Dorfes, den ‚Speickboden‘ zu besteigen (eine Bergwanderung, damals gab es noch keine Strasse hinauf, die heute bis kurz unter den Gipfel führt).

‚Sie‘ war mit ihren Eltern in der Gruppe. Man war sich einig: Ein normaler Bergwanderer braucht4 Stunden bis zum Gipfel. Aber ein Einheimischer sagte, die besten Einheimischen hätten es schon in 2 ½ Stunden geschafft - und den Abstieg in 2 Stunden.

Jetzt, dachte ich, sei meine Stunde gekommen. Ich sagte, ich könne es auch in 2 ½ Stunden schaffen und den Abstieg noch schneller. Das wollte man sehen. Wir machten aus, daß 2 ½ Stunden später, das wäre genau Mittag, sich alle hier versammeln und mit Ferngläsern hinauf sehen würden, ob ich dort angekommen wäre – und ich machte mich auf den Weg.

Ich stieg im schnellsten Rhythmus, den ich gerade noch aushalten konnte. Die Einheimischen, die diese Zeit geschafft hatten, waren gewohnt, den Tieren nachzusteigen bzw. zu den Almwiesen aufzusteigen, um Heu zu machen. Mein Vorteil war, daß ich extrem leicht war.

Tatsächlich schaffte ich es bis Mittag. Meine Lungen schmerzten, hechelnd und mit glühendem Kopf stand ich dort am Gipfelkreuz und winkte mit meinem Hemd, damit man mich sehen konnte. Der Kopf drohte zu zerspringen und der Herzschlag dröhnte in den Ohren. Jetzt dachte ich, müßte ich meine ‚Angebetete‘ erobert haben. Angesichts dieser sportlichen Leistung dürfte sie kaum noch widerstehen können.

Den Abstieg machte ich im wahrsten Sinne des Wortes im Laufschritt. Ich hatte kein großes Gewicht, das ich mit jedem Schritt hätte abfedern müssen. Kurz nach halb zwei war ich wieder unten. Ich hatte einen neuen Rekord aufgestellt!

Aber niemand war da, um mich zu empfangen! Es hatte mich noch keiner erwartet. Ich brauchte 5 Minuten, um jemand aufzutreiben, der bezeugen konnte, daß ich schon wieder da war. Nach einiger Zeit fanden sich die meisten ein, die morgens dabei gewesen waren. Sie hatten mittags wirklich gesehen, ich war oben und waren des Lobes voll über meine Leistung.

Aber meine Angebetete und ihre Eltern waren nicht da! Sie hatten einen Ausflug gemacht, hatten weder beobachtet, wann ich oben angekommen war, noch wann ich zurück war. Beim Abendessen aber hörte ich, wie ihr am Nebentisch jemand meine ‚Heldentat‘ erzählte! Ich weiß nicht, was ich jetzt eigentlich erwartete. Daß sie zu mir käme und sagen würde:

„Große Sportskanone, möchtest du nicht mein Freund sein?“

Was sie tat: Sie schaute kurz zu mir her – und wechselte das Thema! Meine ganze Anstrengung hatte zu gar nichts geführt! Ich war wirklich traurig und fand, ich hätte versagt. Zurück nach den Sommerferien, konnte ich es nicht einmal Viviane erzählen. Ihr zu sagen, ich hätte mich in eine andere verliebt, würde sie verletzt haben.


30. Vivianes Vater und Abschied von Beatrix

Was sich währenddessen in München zugetragen hatte, erfuhr ich später von Susanne:

„Im August hatten die Detektive dann endlich in einem Tresor in jenem ‚Hotel‘ von Robert die Originale der Erklärungen der Frauen gefunden. Die Baronin händigte sie jeder einzelnen von uns aus, sobald wir bezahlt hatten.

Die Originale der anderen Frauen bewahrte sie ‚vorsichtshalber‘ bei sich auf.

Gleichzeitig hatte man auch genügend Dokumente gefunden, um Robert nachweisen zu können, daß er ein illegales Bordell betrieb. Damit machte er sich auch strafbar. Er war nämlich vorher ein schwacher Punkt in der Geschichte gewesen. Er hätte als Zeuge dienen und uns erpressen können, weil er in den ‚Erklärungen‘ ja nicht auftauchte.

Ebenso war es gut, daß auch Abrechnungen von Beatrix gefunden worden waren, die belegten, daß sie in großem Stil Zuhälterin ist. Du warst keineswegs der Einzige, den sie ‚an der Hand‘ hatte.

Wenn wir die Dokumente der Polizei zuspielen würden, hätte das für beide eine gute Zeit hinter Gittern bedeutet.

Die Baronin traf sich mit Beatrix und versuchte sie zu ‚überzeugen‘, daß sie die ‚Betreuung‘ von dir direkt ihr und den anderen Frauen überläßt.

Aber Beatrix ließ sich nicht so leicht beeindrucken. Sie sagte, sie sei nicht die einzige, die im Gefängnis landen würde. Sie hätte immer noch die Angestellten jenes Hotels als Zeugen.

Die erinnerten sich mit Sicherheit, wer da häufig ein und ausging und sie möchte erst mal sehen, ob die nicht die Wahrheit sagten, wenn sie unter Eid aussagen müßten. Und außerdem, ob wir denn überhaupt dich gefragt hätten? Wenn sie nicht irre, wolltest du alles zusammen mit ihr machen.

Das erste Problem ließ sich relativ leicht lösen. Die Hotelbesitzerin rief ihre Angestellten zusammen und erklärte ihnen, daß jene Treffen, die einige Monate zuvor hier stattgefunden hatten, extrem vertraulichen Charakter gehabt hätten. Sie sähe es gerne, daß alle vergessen, daß sie stattgefunden hätten. Falls einer darauf bestehen würde sich zu erinnern, könne er wohl nicht länger Teil der großen Hotelfamilie sein und auch andere Hotels würden mit Sicherheit ungern Leute ohne die nötige Diskretion beschäftigen.“

Zu jener Zeit etwa war der Höhepunkt des deutschen „Wirtschaftswunders“ erreicht. Es gab in Westdeutschland nur wenig Arbeitslose und alle suchten verzweifelt Arbeiter und Angestellte. Die Drohung mit Entlassung war also für eine Fachkraft nicht sehr wirkungsvoll. Allerdings wußten alle, es bestanden ‚schwarze Listen‘ (auch wenn dies nie offen zugegeben wurde), z.B. für Kommunisten und auch für andere ‚unerwünschte‘ Beschäftigte.

„Das andere Problem aber warst du. Du erinnerst dich, daß ich dann eine ernste Unterredung mit dir hatte.“

Ja, ich erinnerte mich. Susanne fragte mich nach einem unserer Treffen in der Villa in eindringlichen Ton, warum ich darauf bestände, daß Beatrix mich ‚vermittelte‘. Man könne recht gut ohne Beatrix auskommen und ich würde dann auch noch Beatrix‘ Anteil verdienen.

Ich antwortete ausweichend. Ich wollte nicht über den speziellen Oralsex und den ‚Superorgasmus‘ reden, erst recht nicht über die Montage in Beatrixs „Wohnung“, aber sie bestand auf dieser Frage.

Dann merkte sie, daß es mir peinlich war, darüber zu sprechen.

„Es ist nicht, weil du glaubst, sie sei deine Freundin ?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Es ist nicht, weil du glaubst, du bist ihr zu Dankbarkeit verpflichtet?“

Erneutes Kopfschütteln.

„Ist es wegen des Sex, den sie mit dir macht?“

Kein Kopfschütteln mehr.

„Was kann sie mit dir machen, was wir nicht genauso gut können?“

Keine Antwort.

„Du möchtest nicht darüber reden?‘

Kopfschütteln.

„Was kann ich für dich tun, daß du es mir verrätst?“

Das brachte mich auf eine Idee.

„Du könntest mich hier im Garten und im Haus spielen lassen.“

„Das möchtest du gerne? Deine Spielkameraden hierher einladen?“

„Nein, nur ich alleine!“

„Versprichst du, daß du nichts kaputt machst?“

„Ich mache nichts kaputt!“

„Gut ich sage den Wachleuten Bescheid. Du darfst ab sofort hier spielen, wann immer du willst!“

Es gab in der Villa rund um die Uhr Wächter, in drei Schichten.

Im Winter mußten sie außerdem die Heizung am Laufen halten. Susanne erklärte mit später:
„Man darf das Gemäuer nicht ganz durchkühlen lassen, sonst verfällt es.“

So blieb mir nichts anderes übrig, als ihr vom oralen Sex und vom ‚Superorgasmus‘ zu erzählen.

Jetzt leuchteten ihre Augen. Sie hatte den ‚Schlüssel‘ entdeckt. Sie begann sofort zu trainieren, wie man mir einen Superorgasmus ‚verpasst‘.

Zunächst funktionierte es nicht, aber mit ein bißchen Training, als sie gelernt hatte, genau auf meine Reaktion zu achten, lernte sie schließlich die Technik und wenig später machte sie es genauso gut wie Beatrix. Von den Montagen bei Beatrix erzählte ich vorsichtshalber nichts.

Jetzt ging alles ganz schnell. Ich sagte Beatrix, ich wolle ihre ‚Vermittlung‘ nicht mehr. Sie versuchte noch einmal, mich zurückzugewinnen, indem sie mich an die ‚guten alten Zeiten‘ erinnerte, aber ich blieb eisern. Die Villa zog mich magisch an.

Beide Nachmittage wurden dorthin verlegt. Schließlich wurde Beatrix auch ‚überzeugt‘, daß sie mein Sparbuch herausrücken mußte. Auch die Montage in ihrer "Wohnung" waren damit beendet.

Danach sah ich Beatrix erst sehr viel später wieder, vor Gericht. Die Frauen hatten mir versprochen, den Preis nicht zu drücken. Susanne verwaltete jetzt mein Sparbuch und machte die Zeiten mit den Frauen aus.

Sie war es jetzt, die jedesmal den ersten Sex mit mir machte bis zum gemeinsamen Orgasmus und die dann meinen Kleinen wieder in Form brachte. Erst nach weiteren Höhepunkten ließ sie die anderen Frauen `ran. Am Ende machte sie den Oralsex und brachte von Zeit zu Zeit einen Superorgasmus für mich zustande.

Ich ‚verdiente‘ jetzt etwa 40.000 DM (oder 20.000 €) im Monat, das wären nach heutigem Geld ca. 160.000 DM (oder 80.000 €), oder ein Jahreseinkommen von annähernd zwei Millionen Mark oder 1 Million Euro – aber das sollte nun auch nicht mehr lange so sein.

Die alte Villa war ein Paradies für mich. Ich liebte es allein zu sein und mir Geschichten auszudenken (wie diese z.B.). Das konnte ich hervorragend, wenn ich durch den überwachsenen Park der Villa streifte oder die nicht benutzten Zimmer erkundete. Ich verbrachte jetzt viele Nachmittage dort, nicht nur die Dienstag- und Donnerstagnachmittage.

Als Susanne dies hörte, kam sie auch manchmal dorthin und sprach mit mir. Sie erzählte, wie unser Leben wäre, wenn wir verheiratet sind.

Wir könnten in der Villa am Starnberger See leben oder auch hier in Bogenhausen. Ich würde ein eigenes Auto mit Chauffeur haben. Meine Schulausbildung könnte ich mit Privatunterricht abschließen. Ich hätte Geld, um meine Eltern unterstützen zu können und sie könnten viel angenehmer leben.

Selbstverständlich könne ich weiter mit dem Rad fahren, wann immer ich wollte. Langsam begann ich mich mit dem Gedanken anzufreunden, aber all dies war ja in weiter Zukunft, weil man ja als männlicher Jugendlicher nicht vor 18 heiraten konnte.

Susanne erzählte mir, daß es eine Möglichkeit gäbe, mit Erlaubnis der Eltern und Zustimmung eines Richters ab 16 zu heiraten und wollte klären, ob sich dieser Fall auf uns anwenden ließe.

Ich traf mich fast wöchentlich mit Viviane. So sehr unsere ‚Romanze‘ auch schüchtern war, von beiden Seiten, wir waren gerne zusammen und sprachen über alles Mögliche.

Eines Tages sagte sie zu mir:

„Mein Vater möchte mit dir sprechen.“

„Dein Vater? Warum?“

„Ich habe ihm von deiner ‚Nebenbeschäftigung‘ erzählt und er meinte, er solle mit dir darüber sprechen. Weißt du, er ist Rechtsanwalt.“

Ich war wie von Schlag gerührt.

„Du hast deinem Vater erzählt, was ich mit den Frauen mache???“

„Du brauchst keine Angst zu haben, daß er dich verrät. Ich habe ihn schwören lassen, daß er das nicht tut, bevor ich es ihm erzählt habe.“

Ob man diesem Vater trauen konnte?

„Hast du ihm auch erzählt, was wir damals gemacht haben, unser ‚Raufspiel‘?“

„Nein, nein, nichts davon.“

„Was hast du ihm erzählt, was wir sind?“

„Freunde, gute Freunde.“

„Na gut, ich werde mit ihm sprechen.“

An einem der folgenden Tage nahm sie mich mit nach Hause. Ihre Mutter schien nicht da zu sein. Ihr Vater begrüßte mich, bat mich ins Wohnzimmer, machte einen freundlichen Eindruck. Als wir saßen, bot er mir einen Kaffee an, aber ich mochte keinen Kaffee. Aber Kola war eine gute Idee.

„Viviane hat mir erzählt, daß ihr Freunde seid und daß du – ich darf du sagen? – daß du einige Frauen triffst und mit ihnen ins Bett gehst und dafür Geld bekommst?“

„Na ja, es ist nicht viel Geld, wissen Sie, es ist mehr wegen der Freude an der Sache.“

Viviane schaute mich von der Seite an. Ihr hatte ich ja genau das Gegenteil erzählt.

„Das Geld geht auch nicht an mich, sondern auf ein Konto, das eine der Frauen verwaltet.“

„Weshalb ich mit dir sprechen wollte: Was die Frauen da mit dir machen, ist ein Verbrechen, das nennt sich ‚Unzucht mit Minderjährigen‘. Dafür gibt es zwischen 1 und 6 Jahren Gefängnis. Der Gesetzgeber sieht den Jugendlichen, in diesem Fall dich, als das Opfer und die Erwachsenen als Täter.“

Das war überraschend.

„Sie meinen, die Frauen können dafür bestraft werden, ich aber nicht?“

„Im Prinzip ja, aber die Sache hat einen Haken. Deshalb wollte ich hauptsächlich mit dir sprechen. In solchen Fällen gehen die Richter normalerweise davon aus, daß die Eltern des Jugendlichen in unverantwortlicher Weise ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind und der Jugendliche ‚verwahrlost‘ ist …“

Ich bekam einen Riesenschreck.

„Das bedeutet, der Jugendliche wird seinen Eltern weggenommen und kommt in ein Heim.“

Mir liefen kalte Schauer den Rücken herunter. Wenn er vorgehabt hatte, mir den Schock meines Lebens zu versetzen, dann war ihm das perfekt gelungen.

Er mußte mir angesehen haben, daß ich noch blasser geworden war, als ich sowieso schon war.

„Aber du brauchst keine Angst zu haben. Im Moment scheint keine Gefahr zu bestehen, daß es herauskommt. Die Damen sind, wie mir Viviane erzählte, aus der ‚besseren Gesellschaft‘ ? …“

Wir nickten.

„ … also werden sie nicht das geringste Interesse haben, daß dies herauskommt. Weniger wegen der Strafe – die würde wahrscheinlich sowieso zur Bewährung ausgesetzt, angesichts der blütenweißen Weste, die sie sicherlich haben – aber wegen des Skandals und wegen der Probleme in deren Privatleben.

Viviane hat mir erzählt, daß eine der Frauen dich heiraten will. Das scheint mir ein eleganter Weg, aus der ganzen Geschichte herauszukommen. Einerseits würdest du es nicht weiter machen, andererseits in geordneten Verhältnissen leben. Wenn du dich einige Zeit später wieder scheiden läßt, könntest du aus all dem aussteigen, ohne daß dir etwas Negatives geschieht.“

„Aber ich kann ja erst mit 18 heiraten.“

„Ja, das Gesetz sieht als Heiratsalter für Männer 18 Jahre vor. Aber es läßt Ausnahmen zu. Mit Erlaubnis kann man schon ab 16 heiraten. Du wirst nächstes Jahr 16, nicht?“

„Ja, im Mai.“

„Ich kenne nicht die genauen Umstände, die nötig sind, um eine solche Erlaubnis zu bekommen. Ich werde mich erkundigen. Beim nächsten Mal kann ich dir sagen, wie es möglich ist.....

Und noch etwas, ich möchte nicht, daß du das auch mit Viviane machst.“

„O.K.!“

Damit war meine ‚Audienz‘ beendet. Ich fragte Viviane, warum er mit mir gesprochen hatte. Immerhin gab er mir eine Art Rechtsbeistand, ohne dafür bezahlt zu werden.

Sie sagte, ihr Vater liebe sie sehr und täte es für sie, weil ich ihr Freund sei. –

Wenn ich gewußt hätte, wieviel Rechtsanwälte ich in der folgenden Zeit noch beschäftigen sollte!


31. Schweizer!

Ich traf mich jetzt wöchentlich dreimal mit Susanne. An den beiden Nachmittagen mit den Frauen und an einem weiteren Nachmittag, meistens Mittwochs, in der Villa.

Sie versuchte mich immer wieder zu überzeugen, es nur noch mit ihr zu machen.

Aber ich sagte: „Ich habe eigentlich sehr gerne viel Abwechslung.“

„Aber wir werden doch heiraten!“

„Ich weiss nicht...... und bis dahin ist es noch lange! Außerdem weiß ich jetzt, wieviel Geld ich verdiene. Ich will mein gutes Einkommen nicht verlieren.“

Susanne hatte ihren Rechtsanwalt alles prüfen lassen und herausgefunden, daß tatsächlich wenig Chancen bestanden, die Erlaubnis für eine frühere Heirat zu bekommen. Diese Fälle waren praktisch ausschließlich vorgesehen für Jungen, die eine junge Partnerin hatten, die ein Kind erwartete. Bei älteren Frauen waren die Richter in der Regel der Meinung, daß der Junge bis 18 warten sollte, um sich sicher zu sein, daß er eine ältere Frau heiraten wollte.

Das gleiche erzählte mir auch Vivianes Vater, als er mich das nächste Mal zum Gespräch bat.

Ich fühlte mich mit diesen Auskünften sicher. Alles konnte so bleiben, wie es ist. Bis ich 18 war, war es noch lange hin. Bis dahin konnte ich bei meiner Mutter bleiben, konnte weiter Sex mit den Frauen machen und Susanne weiter hinhalten. Dann konnte ich sie immer noch heiraten, um heil aus der Sache heraus zu kommen.

Aber Susanne wollte nicht hingehalten werden. Ich hatte nicht mit den Möglichkeiten gerechnet, die begüterte Personen haben.

Jetzt nahm alles nämlich eine neue Wendung. Es begann die Sache mit der Schweiz - und damit schon wieder ein neuer Teil meines Lebens.

Susanne war Schweizerin. Eigentlich war sie Deutsche und hatte nichts mit der Schweiz zu tun. Als aber ihr Mann starb, der viel älter als sie und Schweizer gewesen war, war sie plötzlich Besitzerin einer Fabrik in der Schweiz, wie sie mir erzählte und dort liebten sie es nicht besonders, ‚in ausländischen Händen‘ zu sein.

Sie baten sie, Schweizerin zu werden und offiziell Wohnsitz in der Schweiz zu nehmen, was sie auch tat (Anscheinend hatte dies auch steuerlich Vorteile).

Ihr Anwalt hatte jetzt herausgefunden, daß Jungen in der Schweiz oder genauer gesagt in Liechtenstein bereits ab 16 heiraten können. Sie müssen aber Schweizer oder Liechtensteiner sein.

Susanne begann jetzt zu versuchen, mich zum Schweizer zu machen. Da sie Besitzerin der größten Fabrik im Umkreis war, hatte sie an jenem Ort ziemlichen Einfluß.

Tatsächlich gelang es ihr, eine Sondererlaubnis zu bekommen. Vielleicht war es, als sie eine höhere Investition in dieser Fabrik ankündigte. Sie verkaufte einige Mietshäuser, um das Geld für diese Investition aufzubringen (sagte sie jedenfalls). Ich fand die Idee toll, Schweizer zu werden. Irgendwie würde ich die Sache mit der Hochzeit schon abbiegen können.

Susanne bat mich um meine Geburtsurkunde und um meinen Kinderausweis, um mich zum Schweizer zu machen. Ich sagte meiner Mutter, in der Schule wollten sie dies haben und sie gab es mir tatsächlich mit. Susanne tauchte in der Villa mit einem Fotografen auf, der Paßfotos von mir machte.

Einige Zeit später kam Susanne mit einem Schweizer Paß für mich zurück und ich konnte meine Dokumente zurückgeben. Sie sagte, normal könne man nicht so einfach Schweizer werden, aber für sie hätte man Ausnahmen gemacht. Ich war jetzt Schweizer und offiziell Bewohner von Bielerau in der Schweiz.

Sie bestand nun darauf, daß wir an meinem 16. Geburtstag im folgenden Mai heirateten. Ich sagte aber, ich wollte nicht.

“Du brauchst dich wegen deiner Eltern nicht zu sorgen. Ich werde ihnen alles erklären. Sie werden vor vollendeten Tatsachen stehen und haben praktisch keine Möglichkeit, etwas dagegen zu machen.“

„Ich will aber nicht.“

Ich hatte Angst. Angst vor der Veränderung, vor einem völlig anderen Leben. Ich liebte es so, wie es war.

„Aber hast du mich denn nicht gerne?“

„Doch, aber ich möchte dich nicht jetzt schon heiraten.“

„Aber warum?“

Ich mußte irgend etwas erfinden. Ich konnte ihr nicht sagen, wieviel Angst ich vor der Ungewißheit hatte, wie sehr ich bei meiner Mutter bleiben wollte.

„Ich habe ein hohes Einkommen heute. Ich würde das alles verlieren.“

„Aber wenn du mein Ehemann bist, gehört dir die Hälfte meines Vermögens. Das ist viel mehr, als du in vielen Jahren verdienen könntest!“

„Tatsächlich?“

Dagegen konnte ich nichts sagen. Mir schien nichts anderes übrig zu bleiben und ich erklärte mich einverstanden.

Aber ich sprach darüber mit Viviane. Ihr Vater wollte dann erneut mit mir reden.

„Das stimmt nicht ganz, was sie gesagt hat. In der Regel werden bei Hochzeiten, bei denen der eine Teil ein großes Vermögen hat und der andere Teil praktisch nichts, Regelungen vereinbart, die dem ‚armen‘ Partner den Zugang zum Vermögen erschweren und ihm bei einer Scheidung bestenfalls eine Abfindung zusprechen, bei kurzer Ehe sogar nur eine geringe Abfindung.

Wenn solche Regelungen nicht bestehen, entscheiden die Gerichte in diesem Sinne. Sie sagen, in einer kurzen Ehe habe der ‚arme‘ Partner noch nichts getan, um einen großen Einfluß oder einen großen Anteil am Vermögen zu verdienen.“

Ausgerüstet mit diesen Argumenten, nahm ich mein Wort gegenüber Susanne jetzt zurück und sagte, es wäre nicht wahr gewesen, was sie gesagt hatte:

„Ich bestehe darauf, gutes Geld zu verdienen!“

Damit glaubte ich, mich dieses Problems entledigt zu haben. Ich hatte ihr eine Lüge (oder so etwas Ähnliches) nachgewiesen.

Aber wenn ich wirklich noch nicht heiraten wollte (und es ging mir ja überhaupt nicht um ‚die Hälfte des Vermögens‘), hatte ich mir nun selbst eine Falle gestellt. Die Frage der ‚Hälfte des Vermögens‘ war zum alleinigen Hindernis unserer schnellen Hochzeit geworden. Wenn es ihr gelang, diesen Punkt zu klären, hatte ich keinerlei Argument mehr. Und im ‚Punkte klären‘ sind Leute mit Geld im Vorteil.


32. Dr. Angerfurth und der Ehevertrag

Susanne ließ ihren Anwalt einen Text aufsetzen für einen Vertrag, der mir tatsächlich die Hälfte des Vermögens zusagen sollte.

An einem der folgenden Mittwoche – Mittwoch war der Tag, an dem ich jetzt regelmäßig zur Villa kam und mit Susanne Tee trank und Karten spielte (ich liebte ‚11er `raus‘) – an einem der folgenden Mittwoche also, war dort nicht nur Susanne, sondern auch ihr Anwalt, Dr. Angerfurth.

Er war ein älterer, hochgewachsener grauhaariger und gesetzter Mann, elegant gekleidet und mit sonorer Stimme, kurz eine Persönlichkeit, die in jeder Beziehung Vertrauen ausstrahlte. Er zeigte mir den Vertrag und sagte, er persönlich als Anwalt und Notar könne mir garantieren, mit diesem Ehevertrag würde ich nach Schweizer Recht tatsächlich Zugang zum Vermögens haben und im Fall einer eventuellen Scheidung, selbst nach kurzer Zeit, wirklich die Hälfte des Vermögens bekommen.

Ich war beeindruckt – und stimmte der Hochzeit zu.

Nicht nur ich, der ich jung und unerfahren war, auch jeder Erwachsene hätte ihm geglaubt. Er hob hervor, daß er als Notar mir keinesfalls falsche Angaben machen dürfe, auch wenn Susanne seine Klientin war.

Er war zugelassen bei einer Reihe von hohen Gerichten in Bayern und Baden-Württemberg und ebenso in der Schweiz, war Spezialist für Schweizer Recht (als Deutscher) und hatte 40 Jahre Erfahrung, speziell in Zivilrecht und Verwaltungsrecht. Wer hätte ihm nicht vertraut?

Aber trotzdem – die Sache hatte einen Haken (oder eigentlich zwei) und es war nicht vollständig richtig, was er mir sagte.

Susanne war zwar verliebt, aber doch nicht in dem Maße, jede Beziehung zur Realität zu verlieren. Sie war sich sehr wohl bewußt, die Verbindung mit einem so jungem Partner konnte eine Menge Probleme bringen und evtl. nicht von langer Dauer sein.

Sie hatte absolut keine Lust, deshalb die Hälfte ihres Vermögens zu verlieren und hatte noch einen zweiten Anwalt beschäftigt, der eine ‚Lücke‘ finden sollte in dem, was Dr. Angerfurth aufgesetzt hatte.

Tatsächlich hatte jener andere Anwalt herausgefunden, wie man Dr. Angerfurth (und mich) überlisten könne. Jener Anwalt war ein gewisser Dr. Lauer. Er war im Vorstand jener Firma in der Schweiz, die sie besaß, und dort für Verwaltung und Einkauf zuständig. Er hatte in einem zweiwöchentlichen Studium der Situation und des Vertrages herausgefunden, was man machen konnte.

Später, als er nicht mehr Anwalt von Susanne war und mich (als Privatmann) unterstützte, erfuhr Dr. Angerfurth, wie man ihn (und mich) ‚leimen‘ wollte und entschuldigte sich vielmals bei mir:

„Es tut mir wirklich leid, daß ich Ihnen Zusicherungen gemacht habe, die dann nicht einzuhalten waren. Es war mein Fehler.

Ich hatte zu ausschließlich volles Augenmerk auf den Text des Vertrages gelegt und dabei die äußeren Umstände vernachlässigt, die ich genauso intensiv hätte prüfen müssen.

Der sachliche Inhalt des Vertrages war im Grunde nicht kritisch. Er war in zwei kurzen Paragraphen enthalten, die lediglich völlig klar sein mußten und es auch waren.

Der erste regelte Ihren Zugang zum Vermögen. Dort war festgelegt, daß alle wesentlichen Entscheidungen bezüglich des Vermögens nur in Übereinstimmung von Susanne Hogens und Ihnen getroffen werden könnten und die Ausstattung eines Kontos, auf das Sie Zugriff haben sollten. Der zweite sagte einfach aus: Im Falle einer Scheidung, unabhängig von der Dauer der Ehe, haben Sie Anrecht auf die Hälfte des Vermögens.

Ein schwacher Punkt in dem Vertrag hätte allerdings sein können, was wir Juristen ‚Sittenwidrigkeit‘ nennen. Da er ausgesprochen unüblich war, könnte dies als Anhaltspunkt für "Sittenwidrigkeit" und damit Nichtigkeit dienen.

Eine ‚durchschnittliche Person mit gutem Urteilsvermögen‘ könnte der Meinung sein, es sei unannehmbar, daß Sie nach kurzer Zeit Ehe Anspruch auf die Hälfte eines großen Vermögens hätten.

Zu diesem Zweck wurde im Vertrag aufgezeigt, hier lässt sich die ‚Sittenwidrigkeit‘ nicht anwenden. Sie ist beschränkt auf Fälle, in denen ein Vertragspartner eine deutlich stärkere Position hat und dies ausnutzt, um für ihn vorteilhafte Regelungen in den Vertrag zu nehmen, die unannehmbare Nachteile für den anderen Vertragspartner bedeuten. In diesem Fall war aber Susanne Hogens diejenige, welche die starke Position hatte und Sie die Vorteile.

Um dies deutlich zu machen, hatte ich eine Präambel in den Vertrag aufgenommen. In ihr wurde die Situation kurz beschrieben: Susanne Hogens hat Vermögen und ist deutlich älter. Sie möchte mit dem jungen Karl Weiss, der am Hochzeitstag gerade 16 Jahre alt wird, eine ernsthafte und dauerhafte Ehe eingehen. Darum hat sie diesen Vertrag angeregt.

Damit würde der Vermutung entgegengetreten, hier nehme sich eine reiche ältere Frau einen ‚Gespielen‘, um ihn ‚nach Gebrauch‘ wieder abzulegen.

Noch entscheidender aber in Bezug auf die mögliche Sittenwidrigkeit war die Kondition als Ehevertrag.

Nach Schweizer Zivilrecht (und das gilt auch für Liechtenstein) kann ein gültig abgeschlossener Ehevertrag gar nicht wegen Sittenwidrigkeit angefochten werden.

Man geht in der Schweiz davon aus: Jeder Ehevertrag, so ungewöhnlich er auch sein mag, wird immer von zwei gleichen Partnern und aus freiem Willen abgeschlossen. Die Möglichkeit der Sittenwidrigkeit sei daher nicht gegeben (aus diesem Grund gibt es auch ausführliche Anweisungen für die möglichen Inhalte eines solchen Ehevertrages für die Standesbeamten. Sie sollen die Inhalte überprüfen, bevor der Ehevertrag abgeschlossen wird. Z.B. sind Festlegungen bezüglich des Sexuallebens verboten usw.).

Was nun als Ehevertrag gilt, ist aber nach Schweizer Recht genau geregelt. In der Rechtsprechung hat sich die Meinung herausgebildet, es seien hohe formale Ansprüche an den Ehevertrag zu stellen, weil er eine Art Sonderstellung im Zivilrecht einnimmt. So muß er den Namen ‚Ehevertrag‘ tragen und muss im gleichen Kanton der Schweiz abgeschlossen werden wie die Hochzeit. In diesem Fall würde Liechtenstein rechtlich wie ein Kanton der Schweiz behandelt.

Dies wußte ich, hatte mich damals aber mit der Zusicherung von Frau Hogens zufrieden gegeben, dies würde geschehen. Dr. Lauer hatte herausgefunden, man brauchte den Vertrag nur anders zu nennen und erst am folgenden Tag in Deutschland zu unterschreiben und schon war er kein Ehevertrag nach Schweizer Recht mehr, dessen Sittenwidrigkeit nicht behauptet werden konnte.

Zwar war die "Sittenwidrigkeit" auch so nicht gegeben, aber er wäre so viel leichter anfechtbar gewesen.

Ich hätte überprüfen müssen, daß die Formalien wirklich eingehalten wurden, nachdem ich Ihnen die Zusicherung gemacht hatte. Ich entschuldige mich noch einmal für diesen Fehler.

Der andere Umstand aber, den ich nicht beachtet hatte, und dafür entschuldige ich mich ebenfalls, war, daß nicht gemeinsam festgelegt wurde, was das Vermögen eigentlich ausmachte, dessen Hälfte Sie dann bekommen sollten.

Es hätte zumindest eine Aufzählung der wesentlichen Teile dieses Vermögens als Anhang des Vertrages gemacht werden müssen, um sicherzustellen, Frau Hogens werde nicht die Möglichkeit haben, wesentliche Teile des Vermögens zu verstecken.

Mehr noch, ich hätte Ihnen zusätzlich noch den Rat geben müssen, während der Ehe (mit Zugang zum Vermögen) die Vollständigkeit dieser Aufzählung zu überprüfen und evtl. Nachträge machen zu lassen. Ich hatte nicht genügend mit der Bosheit der Menschen gerechnet und so waren jene Zusicherungen nicht vollständig richtig, die ich Ihnen bezüglich des Vertrages gemacht hatte.“

Susanne erklärte mir den Zeitplan so:

„Morgens an deinem 16. Geburtstag, tust du so, als gingst du normal zur Schule, wirst dich aber mit mir treffen und wir werden beim ‚Hirmer‘ einen Anzug für dich kaufen.

Mit meinem Privatflugzeug werden wir dann nach Lindau fliegen und mit dem Auto nach Vaduz in Liechtenstein fahren. Von dort werden wir deinen Eltern eine Nachricht zukommen lassen, damit sie sich nicht sorgen.

Die Hochzeitszeremonie ist für 12 Uhr Mittags vorgesehen. Danach werden wir in Vaduz Mittagessen. Danach zurück nach Lindau und mit dem Flugzeug nach München.

Abends werden wir zusammen zu deinen Eltern gehen und ihnen alles erklären.

Übernachten werden wir in meiner Villa am Starnberger See und am nächsten Tag fliegen wir wieder nach Lindau und schließen dort in einem schönen Hotel den Ehevertrag ab und veranstalten ‚in kleinem Kreis‘ eine Hochzeitsfeier.

In diesem Hotel werden wir auch übernachten. Am darauffolgenden Tag werden wir zu einer anderen Villa in Lausanne in der Schweiz reisen und dort unsere Flitterwochen verbringen.

Die Hochzeitsfeier und Vertragsunterzeichnung können nicht am Hochzeitstag gemacht werden, weil wir da zeitlich extrem eng sind und der Anzug gekauft und mit deinen Eltern gesprochen werden muß. Die Flitterwochen in Lausanne geben dir Gelegenheit, diese schöne Ecke der Welt kennenzulernen und auch die Fabrik in der Schweiz, deren Mitbesitzer du dann ja bist.“

Ich hatte natürlich keinerlei Grund, diesen Zeitplan mit Dr. Angerfurth ‚abzuchecken‘, weil ich ja nichts über Schweizer Zivilrecht wußte.

Ich sagte, mir sei es recht so. Ich zitterte innerlich vor der Unsicherheit, die das alles mit sich bringen würde und vor allem vor dem Treffen mit meinen Eltern an meinem Hochzeitstag, aber jetzt konnte ich nicht mehr zurück. Andererseits war ich aber auch neugierig auf all das Neue, das jetzt auf mich zukommen sollte.



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