Montag, 27. September 2010

Milliansstrass 7, Kapitel 40 und folgende

Milliansstrass 7, Kapitel 40 und folgende, Ende des 1. Buches


Verehrter Leser, ein Blog ist natürlich eigentlich nicht zum Veröffentlichen eines Romans gedacht, denn die Eintragungen gehen ja nach unten mit jeder neuen. Deshalb muss man diesen Roman von unten nach oben lesen. Hier der Link zum Anfang: http://milliansstrass.twoday.net/stories/milliansstrass-1/
Jeweils am Ende der Teile kommt dann ein Link zum nächsten Teil.

Wenn Sie den Roman flüssig durchlesen wollen, dann kopieren Sie ihn sich einfach in der Reihenfolge der Teile herunter. Der Roman hat insgesamt 2 Bücher in 72 Kapiteln, nur falls das jemand interessiert.


1. Veröffentlichung, 7. Teil


40. Striptease


Die ersten drei Wochen in Lausanne waren wie im Flug vergangen. Susanne und ich hatten mehrere Ausflüge in die umliegende Bergwelt gemacht. Es gab verschiedene Seilbahnen und Zahnradbahnen und wir machten wunderschöne Bergwanderungen.

Nach drei Wochen erklärte Susanne unsere Flitterwochen für beendet und veranstaltete ein Fest im Rokoko-Flügel unseres Schlosses.

Hier hörte ich zum ersten Mal einen Twist und einen Bossa Nova, die zwei Tänze der Saison. Der Twist war leicht zu lernen, aber den Bossa Nova fand ich schwierig. Doch am Ende des Festes konnte ich ihn auch. Das Problem für mich war, der jüngste auf dem Fest zu sein. Aber ich tanzte viel.

Nach dem Fest meinte Susanne, ich hätte nicht soviel tanzen sollen. Man hätte den Eindruck gewinnen können, ich sei nicht glücklich mit ihr.

„Aber du bist ja nicht da gewesen, um mit mir zu tanzen!“

„Weißt du, auf so einem Fest muß ich mich als Gastgeberin um alles und alle kümmern und kann nicht nur für dich da sein. Aber auch nicht weiter schlimm!

Aber jetzt etwas anderes: Wir können jetzt noch nicht nach München zurückkehren! Ich muß mich ein bißchen um die Fabrik in Bielerau kümmern und außerdem noch eine andere Sache erledigen mit einer Immobilienfirma in Bern, die uns gehört und die in Schwierigkeiten ist. Wir werden noch einige Wochen in Lausanne bleiben und erst danach nach Starnberg umziehen. Ich habe deinen Privatlehrer schon hierher bestellt. Er wird morgen eintreffen. Ab übermorgen wirst du jeden Morgen Privatunterricht haben.“

Jetzt reiste Susanne öfters nach Bielerau. Meistens blieb sie auch über Nacht dort, weil es von dort nicht weit nach Bern war.

„Die Firma in Bern ist praktisch pleite, weil der Geschäftsführer wichtige Fehler gemacht hat. Für uns würde das einen Verlust von Millionen von Schweizer Franken bedeuten. Um die Firma zu retten, müssen wir etwa eine halbe Million ‚einschießen‘. Das Geld stellen uns Banken zur Verfügung, aber wir müssen ihnen dafür Hypotheken auf eine Reihe von anderen Immobilien einräumen.“

Ich mußte eine Menge von Papieren unterschreiben. Ich las sie nicht durch, aber bei einem der Dokumente fiel mir auf, daß es einen Kredit für die ‚Hogens Fenster AG‘ beinhaltet.

„Das ist nur zufällig unter den anderen Papieren. Wenn die Firma Kredite braucht, holen wir sie uns nicht von Banken, sondern geben sie innerhalb unserer Gruppe. Damit sparen wir Zinsen.“

Ein einfacher Blick auf den Zinssatz des Vertrages hätte sie einer flagranten Lüge überführt. Sie war sich völlig sicher: Ich hatte von nichts eine Ahnung und konnte nichts überprüfen. So erlaubte sie sich solche unverschämten Täuschungen direkt unter meiner Nase. Leider hatte sie damit auch noch recht.

Als ich später die Dokumente wieder sah, die ich unterschrieben hatte, wurde mir klar: Sie hatte mich in äußerst dunkle und sogar illegale Geschäfte verwickelt.

In einer jener Nächte, in denen ich alleine war, konnte ich nicht schlafen. Ich ging über den Gang vor unserem Zimmern, von dem Fenster nach hinten hinaus hingen. Von dort konnte man auf das Gebäude mit den Zimmern der Dienstboten sehen, wo zum Teil noch Licht war und ich die Nähe von Menschen fühlen konnte.

Plötzlich sah ich, daß in einem Zimmer die Vorhänge nicht zugezogen waren. Es war Jeanettes! Von hier oben konnte ich den vorderen Teil des Zimmers überblicken. Und dort war Jeanette und zog sich aus!

Hatte sie dort nur gewartet, bis ich hier oben am Fenster erscheinen würde? Mir schien es, als hätte sie zu mir heraufgeblickt und dann gleich angefangen, sich auszuziehen. Sie nahm das kleine Häubchen aus dem Haar, die weiße Schürze ab und begann das schwarze Kleid aufzuknöpfen. Als sie das Kleid fallen ließ, kam ein BH und ein weißer Strumpfhalter zum Vorschein. Hatte sie doch einen BH an?

Dann knöpfte sie die kurze Bluse auf. Als sie sich herumdrehte, konnte ich ihre Hinterbacken sehen, wie sie unter dem Strumpfhalter hervorsprangen. Sie hatte zwar noch ein Baumwollhöschen an, aber ich konnte genau die atemberaubende Birnenform des Hinterns sehen.

Dann drehte sie sich wieder zum Fenster und nahm die Bluse herunter. Ihr BH war tief ausgeschnitten und die großen Brüste quollen üppig aus ihm heraus. Ich war ja nicht gerade unerfahren in weiblichen Brüsten, aber ich konnte mich kaum erinnern, je eine solche Pracht gesehen zu haben. Sie erinnerten mich an den 'Ballonbusen' von Ruth.

Jetzt nahm sie den Strumpfhalter ab und gerade jetzt, als der BH dran war, drehte sie sich vom Fenster weg! Kaum war der BH gefallen, drehte sie sich aber wieder zum Fenster und mir blieb fast der Atem stehen. Die Brüste waren fast gar nicht gefallen! Sie waren groß und bildeten einen perfekten Kreis, gekrönt von dunklen Brustwarzen und Warzenhöfen! Sie waren prall und liefen nach vorne spitz zu. Sie hatte einen Super-Spitzbusen!

Mein Begehren, diese Brüste zu berühren, wurde fast unwiderstehlich. Dann zog sie das Höschen herunter und drehte sich wieder um. Ihre breite Hüfte und ihre Hinterbacken hatten jene Traumform! Mein Kleiner pochte in der Hose! Ich kämpfte gegen den Drang, jetzt sofort dort hinunterzugehen und sie in die Arme zu nehmen.

Jetzt legte sie sich so, wie sie war, aufs Bett, so daß ich direkt zwischen ihre Beine sehen konnte. Sie war ‚da unten‘ rasiert.

Und welche Überraschung! Da zwischen den Lippen lugte ein dicker kleiner erregbarer „Hautlappen“, ein kleiner Penis hervor, wie ich ihn schon kannte. Sie war bereits erregt und er stand heraus. Wie damals im Unterschlupf, als ich zum ersten Mal eine Frau mit einem einem solchen dicken kleinen ‚Ding‘ zwischen jenen Lippen gesehen hatte, sah ich auch jetzt die inneren Lippen aufgestellt wie Segel und das große Loch, das sie formten.

Ich atmete laut mit offenem Mund und starrte auf jene Stelle. Dann begann sie sich zwischen die Beine zu greifen und zu bewegen. Ich hatte den Eindruck, daß ich das nicht ansehen dürfte und ging auf mein Zimmer.

An diesem Tag hatte ich einen der größten Orgasmen, den ich beim Masturbieren je erreicht hatte.

Später, als wir zusammen wohnten, erzählte ich Jeanette: „An jenem Tag habe ich dich gesehen und seitdem peinigte mich jeden Tag die Sehnsucht nach dir.“

„Ja, ich hatte dort am Fenster gewartet, und als ich oben einen Schatten am Fenster sah, begann ich mich auszuziehen. Ich wußte, daß du öfters an diese Fenster kamst, wenn deine Frau nicht da war, war mir aber nicht sicher, ob du zugesehen hattest und so wiederholte ich es jetzt jedes Mal, wenn deine Frau auf Reisen war.“

In den folgenden Wochen konnte ich jetzt den Striptease jedesmal beobachten, wenn Susanne verreist war. Und jedesmal gönnte ich mir einen phantastischen Orgasmus hinterher.

„Einmal hatte ich deutlich dein Gesicht dort am Fenster gesehen und war sicher, daß du mir zusahst. Ich fühlte intensives Verlangen nach dir. Der Gedanke, von dir beobachtet zu werden, ließ mich fast wild werden. Ich fühlte, wie mir heiß zwischen den Beinen wurde und wie meine Brustwarzen hart wurden.“

„Aber obwohl ich sicher war, daß du zumindest einmal zugesehen hattest, gab es keinerlei Reaktion deinerseits. Ich war bereits bis zum Äußersten gegangen, was man als ‚anständiges Mädchen‘ tun kann, um dem Angebeteten seine Liebe zu zeigen, aber von dir gab es keine klare Antwort. Zwar hattest du einige ‚Spiele‘ mitgespielt und nicht zurückgewiesen, ich konnte also weiter hoffen, aber es gab kein klares Anzeichen für eine Zuneigung von deiner Seite.“


41. Ein Ermittlungsverfahren

Der ‚Skandal‘ begann ganz harmlos. In einem meiner Telefonate mit meiner Mutter (inzwischen war meine Familie umgezogen und hatte Telefon) erwähnte sie, ein ‚komischer Brief‘ sei gekommen.

Er sei von der Polizei und sie bäten mich, dort zu erscheinen. Ich hatte ja meinen deutschen Paß nicht aufgegeben und meine Eltern hatten uns noch nicht umgemeldet, so daß ich für die Münchener Polizei weiterhin in der Thierschstrasse wohnte.

Ich sagte meiner Mutter, sie solle sich mit Dr. Angerfurth in Verbindung setzen. Der würde schon herausfinden, was das ist. Tatsächlich rief Dr. Angerfurth einige Zeit später an und sagte, es handele sich um eine Aussage als Zeuge in einem Verdachtsverfahren wegen Unzucht mit Minderjährigen.

Er sagte, ich solle auf jeden Fall nicht erscheinen, sondern eine gerichtliche Vorladung abwarten. Kurz danach kam auch für Susanne eine Vorladung. Auch sie hatte ja die Deutsche Staatsbürgerschaft beibehalten und war in Starnberg gemeldet.

Dr. Angerfurth fand heraus, daß gegen sie ermittelt wurde und erschien als ihr Anwalt bei der Polizei und erklärte, sie verweigere die Aussage.
Dies geschah am Ende unserer Flitterwochen. Doch danach wurde es schwieriger.

Es wurde ein offizielles Ermittlungsverfahren eröffnet und ich und Susanne erhielten gerichtliche Vorladungen um auszusagen. Dr. Angerfurth als Anwalt einer der Beklagten mußte Einblick in die Ermittlungsakten gegeben werden.

Danach kam er in die Schweiz, um uns zu informieren. Der Chauffeur holte ihn vom Flughafen in Genf ab. Wir versammelten uns in der Bibliothek.

„Die Anklage steht auf schwachen Füßen. Ihre wesentliche Basis ist ein ausführlicher anonymer Brief, in dem detailliert die Beziehungen einiger Frauen zu Ihnen, Herr Weiss und die Organisation dieser Treffen durch Sie, Frau Hogens geschildert wird.

Er ist offensichtlich von einer der Damen, die in den letzten Monaten Teil der Gruppe waren, geschrieben. Sie gibt in dem Brief aber nicht an, woher sie die Kenntnisse hat. Sie, Herr Weiss, sind ausführlich mit Adresse und allem, beschrieben. Es werden allerdings nur 5 Frauen benannt, die Beziehungen zu Ihnen unterhalten hätten: Sie, Frau Hogens, ihre Freundin Sibylle Staudinger, Frau Ampfing, Frau Schätzinger und Frau von Hohenthal.“

Susanne warf ein: „Das riecht stark nach der Baronin! Sie mochte uns nie leiden!“

„Gut möglich. In den Akten ist auch eine Lichtpause jener ‚Erklärung‘ mit Ihrer Unterschrift, die ja der Baronin zur Verfügung stand. Allerdings geht aus den Akten nicht hervor, wo sie herstammt. Das muß ich noch klären.

Da es sich aber nur um eine Lichtpause handelt, hätte sie aber auch leicht gefälscht sein können.

Zu jener Zeit gab es noch keine einfachen Photokopierer. Es mußten umständliche und teure Lichtpausen angefertigt werden.

Auch Beatrix Zimmer ist als eine der Beteiligten genannt.“

Es gelang Dr. Angerfurth, unsere beiden Aussagen zu verhindern. Susanne konnte als Beschuldigte sowieso die Aussage verweigern. Der Staatsanwalt ließ sich überzeugen, daß dazu ihre Anwesenheit nicht nötig war.

Bei mir war es schwieriger, da ich als Zeuge aussagen sollte. Ich war aber mit einer der Beschuldigten verheiratet und Dr. Angerfurth benutzte das als Basis, um für mich ebenfalls das Recht auf Aussageverweigerung reklamieren zu können.

Der Staatsanwalt argumentierte, ich müßte Fragen zu anderen Beschuldigten beantworten, aber Dr. Angerfurth stellte klar: Jede Aussage von mir im Sinne der Anklage mußte automatisch auch Susanne mit belasten.

Außerdem argumentierte er, daß solche bestätigenden Aussagen meinerseits vor allem mich belasten würden, was von mir nicht verlangt werden könnte.

Prostitution war zu jener Zeit in Deutschland noch ein Vergehen. Zwar war schon lange Zeit keine Prostituierte auf dieser Basis mehr verurteilt worden, aber es war kriminell, sich zu prostituieren.

Das überzeugte den Staatsanwalt schließlich, daß es mir nicht zuzumuten war, als Zeuge in diesem Verfahren aussagen zu müssen. Er eröffnete vielmehr ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen mich in einer Jugendstrafsache, das mir nun ebenfalls das Privileg des Nicht-Aussagen-Müssens verschaffte.

Beim nächsten Treffen in der Bibliothek war Dr. Angerfurth zufrieden.

„Die Aussage von Beatrix Zimmer ist eindeutig. Sie weiß von nichts und kann sich nicht erklären, wie ihr Name da hineinkam. Drei der Damen haben zur Sache ausgesagt, aber alle sagen übereinstimmend, nichts davon sei wahr und das müsse eine Erfindung von jemand sein, der ihnen bös wolle. Nur Sie und Frau von Hohenthal haben die Aussage verweigert.

Es sind eine Anzahl von Aussagen von Angestellten des Hotels von Frau Hohenthal vorhanden, die aber übereinstimmend aussagen: Jene Treffen hätten dort nicht stattgefunden oder wenn, hätten sie jedenfalls nichts davon bemerkt.

Zusammengefaßt: Es gibt praktisch keine Beweise und das Verfahren muß eingestellt werden. Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen.“

Susanne schwor, jener Baronin noch einmal die Meinung zu sagen und das Thema schien abgeschlossen.

An darauffolgenden Tag, während Susanne in der Stadt war, kam ich in mein Zimmer und Jeanette kniete vor dem Schrank und machte sich am untersten Bord zu schaffen.

Ihr großer Hintern stand steil in die Luft, der Rock war hochgerutscht, die Beine leicht geöffnet und dort, wo ein weißes Höschen auftauchen mußte, waren statt dessen dunkle Haare zu sehen. Ich ging langsam auf sie zu und konnte die Augen nicht von jenem Punkt nehmen.

Mein 'Kleiner' richtete sich innerhalb von Sekunden auf und mein Herz schlug mir bis zum Hals. Noch einmal gelang es mir, dem Drang zu widerstehen, zu ihr zu gehen und sie in die Arme zu nehmen und hier und jetzt Sex mit ihr zu machen.

„Das war mein letztes Mittel. Ich ließ das Höschen weg und versuchte dich wissen zu lassen, das ich keines anhatte.“

Doch beim nächsten Mal … - aber das war bereits, nachdem der ‚Prostitutionsskandal der Damen der High Society‘ begonnen hatte.


42. Der Prostitutionsskandal der Damen der High Society

Die Probleme mit der Berner Firma schienen gelöst zu sein und wir wollten gerade nach Starnberg umziehen, als sich die Situation änderte.

Es kam ein alarmierender Anruf von Dr. Angerfurth: „Das Verfahren ist nicht eingestellt, sondern offiziell Anklage erhoben worden. Ich muß erneut die Akten einsehen.“

Er kam wieder in die Schweiz. Diesmal war die Besprechung in der Bibliothek von höchster Besorgnis erfüllt.

„Die Polizei oder die Staatsanwaltschaft haben einen Zeugen gefunden. Es ist ein ehemaliger Angestellter jenes Hotels von Frau von Hohenthal, der entlassen wurde. Er ist offenbar äußerst erbost über seine Entlassung und bereit, alles über jene Treffen dort auszusagen. Er hat die Treffen auf Zimmer 304 bestätigt und bereits aus einer großen Anzahl von Fotos die von Ihnen, Frau Hogens, von Frau Staudinger und Frau Schätzinger als Teilnehmer an den Treffen identifiziert.

Ebenso hat er die Teilnahme seiner damaligen Chefin bestätigt. Lediglich Frau Ampfing ist aus der Anklage herausgenommen worden, weil er sie nicht identifizieren konnte.

Bezüglich Frau Zimmer und Ihnen, Herr Weiss, sind noch Gegenüberstellungen geplant. Zwar ist seine Glaubwürdigkeit beeinträchtigt, weil er auch eine andere Person als an den Treffen beteiligt identifiziert hat, die mit Sicherheit nicht beteiligt war, aber die Situation ist äußerst ernst.

Es wird jetzt viel davon abhängen, wie die Gegenüberstellung mit Ihnen, Herr Weiss, verlaufen wird. Ich nehme an, ich kann darauf Einfluß nehmen. Ich werde versuchen durchzusetzen, daß mindestens eine Person teilnimmt, die Ihnen ähnlich sieht. Ich habe einen Großneffen, der in Frage käme. Vielleicht können wir den Zeugen auch mit der Kleidung verwirren. Was haben Sie damals bei den Treffen im Hotel angehabt, Herr Weiss?“

„Hmmm – warten Sie `mal, das war letzten Sommer – Lederhose und kariertes Hemd – kurze Lederhose.“

„Mit bayerischen Hosenträgern?“ „Nein, letzten Sommer hatte ich schon meine neue Lederhose mit Gürtel.“

„Vielleicht läßt sich etwas machen. Unsere Strategie muß darauf hinauslaufen, den Zeugen unglaubwürdig zu machen, zu suggerieren, er hat alles erfunden, um sich an seiner früheren Arbeitgeberin zu rächen, die ihn entlassen hat, zu suggerieren, der anonyme Brief stamme auch von ihm. Somit handele es sich um eine 1-Mann-Anklage. Alle, die er bisher erkannt hat, sind Freundinnen seiner Ex-Chefin, das belegt noch gar nichts.

Allerdings wird diese Strategie durchkreuzt, wenn er Sie erkennt, Herr Weiss, oder auch Frau Zimmer. Dann müssen wir uns etwas Neues überlegen.“

„Kann denn ein Prozeß überhaupt eröffnet werden, wenn alles nur auf den Behauptungen oder den Aussagen einer einzigen Person basiert.“

„Nein, zumindest kann ich mich nicht erinnern, daß ein solcher Prozeß je eröffnet worden wäre. Etwas anderes ist es aber, wenn Indizien hinzukommen. Solche Indizien wären z.B., wenn er Personen, die in der Öffentlichkeit nicht bekannt sind, aus einer Reihe von anderen Personen heraus identifiziert.

Daß er Personen des öffentlichen Lebens, die schon in der Zeitung abgebildet waren, auf Fotos erkennt, ist normal.

Ich bin allerdings nicht auf Strafrecht spezialisiert und kann Sie nicht vertreten, wenn es zum Prozeß kommt. Wir werden, falls er Sie erkennt, einen der besten Strafverteidiger Deutschlands verpflichten.“

Wir verblieben so, er wird uns informieren, wann die Gegenüberstellung stattfindet.

Drei Tage später kam ein neuer alarmierender Anruf von Dr. Angerfurth:

„Jetzt ist passiert, was ich schon befürchtet hatte: Jemand von der Staatsanwaltschaft oder von der Polizei hat Informationen über die Anklage an die Presse durchsickern lassen.

Die ‚Abendzeitung‘ hat gestern mit großem Aufmacher auf der Titelseite berichtet. Heute sind Artikel sowohl in der ‚Süddeutschen‘ als auch im ‚Merkur‘. In der Abendzeitung taucht sowohl ihr Name, Herr Weiss, als auch Ihrer, Frau Hogens, auf.

Heute hat auch das Fernsehen berichtet. Das ist weniger wichtig wegen der Zuschauerzahlen – bisher haben nur wenige Fernsehen – aber wegen der bundesweiten Ausstrahlung in Deutschland. Das Ganze hat jetzt schon einen Namen: ‚Der Prostitutionsskandal der Damen der High Society‘.

Übrigens ist es mir gelungen, die folgenden Bedingungen für die Gegenüberstellung mit Herrn Weiss zu erreichen. Die Gegenüberstellung wird mit 7 anderen jungen Männern gemacht, die alle auch blond und blauäugig sein sollen. Es wird nur Beobachtung durch eine Spiegelglasscheibe geben.

Mein Großneffe wird auch teilnehmen. Bitte schicken Sie mir so schnell wie möglich jene Lederhose und ein entsprechendes Hemd, damit ich es meinem Großneffen geben kann.“

Einige Tage später flogen wir nach München. Der Privatpilot hatte die Erlaubnis für einen internationalen Flug bekommen (damals kam Deutschland ja erst langsam zurück in das Lager der international anerkannten Luftfahrtnationen) und konnte vom Regional-Flugplatz in Lausanne direkt nach München fliegen.

Man hatte verhindern können, daß die Reporter direkt aufs Flugfeld konnten und ein Wagen mit Chauffeur kam direkt ans Flugzeug. Als wir aus dem Flughafen rauschten (das war damals noch ‚Oberwiesenfeld‘, dort, wo heute das Olympiastadion steht), konnten die Reporter nichts anderes machen, als hinterher fahren.

Dr. Angerfurth hatte uns am Flugzeug begrüßt und gab uns auf der Fahrt Instruktionen. Wir konnten direkt in den Hof des Münchener Polizeipräsidiums, gleich am Dom in der Ettstraße fahren, wo die Reporter keinen Zutritt hatten und normalerweise auch keine Privatwagen hineinkommen.

Ich trat mit Anzug, weißem Hemd, Krawatte und veränderter Haartracht auf, während der Großneffe des Anwalts in meiner Lederhose, meinen nach hinten gekämmten Haaren und einem ähnlichem Hemd wie meinem auftrat (mein Hemd hatte sich als viel zu klein erwiesen). Er hatte tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit mir, wenn er auch älter war und nicht so schmal wie ich.

Wir wurden alle in einer Reihe vor einem Spiegel aufgestellt. Wir wußten, daß er durchsichtig von der anderen Seite war, konnten aber nichts sehen (Diesen Trick kannte ich ja schon).

Die Taktik von Dr. Angerfurth ging, wie wir später erfuhren, nur zum Teil auf. Der Zeuge konnte mich nicht eindeutig identifizieren. Er sagte, es sei entweder ich oder der zweite von rechts (das war der Großneffe).


Doch das Schwierigste kam, als wir versuchten, aus dem Hof des Polizeipräsidiums herauszufahren. Die Reporter umringten uns, die Blitzlichter flammten, sogar ein Filmteam mit hellen Scheinwerfern war dabei. Es war unmöglich, ihnen zu entkommen.

Sie ließen den Wagen nicht weiterfahren und bestanden darauf, wir müssten mit ihnen sprechen. Schließlich handelte Dr. Angerfurth mit ihnen aus: Er gibt eine Erklärung in unserem Namen ab und beantwortet Fragen, dann lassen sie uns fahren.

„Es handelt sich nur um eine einzige Person, die Behauptungen aufstellt und anonyme Briefe schreibt. Es ist die Rache eines Entlassenen. Die Polizei hat in Monaten der Untersuchung nicht eine einzige andere Person gefunden, die seine Behauptungen bestätigt.“

„Aber – haben Sie Beweise, daß der Zeuge auch den anonymen Brief geschrieben hat?“

„Wer sonst? Warum sollte sich die Person verstecken, die ihn geschrieben hat, wenn es nicht er selbst ist?“

„Aber hat Frau Hogens nicht genau den Verdächtigen geheiratet - und ist sie nicht viel älter als er?“

„Na, wollen Sie den Personen vorschreiben, wen in welchem Alter sie zu heiraten haben? Der Zeuge hat wahrscheinlich über die Hochzeit gelesen und dann meine beiden Klienten in seine Geschichte eingebaut.“

Während der ganzen Zeit wurden Susanne und ich, im Auto sitzend, fotografiert. Ich dachte, zwei oder drei Fotos von jedem würden doch reichen, aber die Fotografen hörten nicht auf, immer neue Fotos zu machen. Dr. Angerfurth schien sich gut zu machen bei der improvisierten Pressekonferenz, aber in Wirklichkeit war sie der Ansatz für ein wichtiges zusätzliches Indiz, das die Staatsanwaltschaft vorbringen konnte und das am Ende ausschlaggebend war für die Eröffnung des Verfahrens.

In der darauffolgenden Woche wurde im ganzen deutschsprachigen Raum eine Wochenschau gezeigt, in der diese improvisierte Pressekonferenz vorkam.

‚Wochenschau‘ war eine Zusammenfassung der Ereignisse der Vorwoche, die in den Kinos vor dem Hauptfilm gezeigt wurde, in einer Länge von weniger als 15 Minuten. Es gab ja noch so gut wie kein Fernsehen (und das war schwarzweiß). So konnte man die Bewegung der Dinge sehen, die sonst nur in den Zeitungen erstarrt als Fotos vorkamen.

In einer Welt, in der das Fernsehen noch nicht verbreitet war, war natürlich Kino eine der wichtigsten Unterhaltungen. Es gab damals vier verschiedene Wochenschauen und jedes Kino zeigte eine von ihnen vor dem Hauptfilm. Eine hieß ‚Fox tönende Wochenschau‘ , eine andere ‚Blick in die Welt‘, eine weitere „Welt im Bild“ usw.

In den sogenannten ‚aki‘ (Aktualitätenkinos) wurden nur diese vier Wochenschauen gezeigt, ohne Unterbrechung. In München war das ‚aki‘ im Hauptbahnhof. Ich war gerne dort hingegangen und sah die Wunder dieser Welt (jedenfalls bis wir einen Fernseher bekamen). Ich erinnere mich, dort den Jüngling Pelé Tore schießen und Garrincha dribbeln gesehen zu haben.


1.Einstellung:
Der Tumult um unser Auto und Dr. Angerfurth inmitten der Reporter: „Im Münchener Prostitutionsskandal der reichen Frauen wurde der Zeuge der Anklage dem jungen Mann gegenübergestellt, der eine Reihe von begüterten Damen beglückt haben soll.“

2. Einstellung:
Nahaufnahme von mir: „Der junge Karl, zu jener Zeit 15 Jahre alt, ist heute mit einer der mutmaßlichen Kundinnen verheiratet. Es gehen Gerüchte über seine phantastischen Fähigkeiten im Bett um.“

3. Einstellung:
Frage des Reporters zur Heirat („genau den Verdächtigen“) und Antwort von Dr. Angerfurth („hat über die Hochzeit gelesen“).

4. Einstellung: Nahaufnahme von Susanne: „Die schöne Witwe des Industriellen Hogens soll den Call-Boy-Ring organisiert haben, verweigert aber jede Aussage. Wie auch immer, der Zeuge hat den jungen Mann wiedererkannt.“

Zwar hatte keiner der Reporter nachgefragt, wo der Zeuge denn über unsere Hochzeit gelesen haben sollte, aber auf genau diese Frage kam die Staatsanwaltschaft.

Sie fand heraus: Über unsere Heirat war gar nicht berichtet worden. Susanne war zwar eine bekannte Figur der feinen Gesellschaft in München, aber den Klatsch-und-Tratsch-Reportern war diese Hochzeit entgangen. Susanne hatte verständlicherweise nichts getan, um sie an die große Glocke zu hängen.

Damit war aber ein wesentlicher Pfeiler von Glaubwürdigkeit in die Aussagen des Zeugen, eines gewissen Hans Hummel, eingezogen worden. Er hatte nämlich ausgesagt, er wisse nicht, ob Susanne und ich verheiratet seien, er habe lediglich gesehen, wie wir kurz nacheinander ins Zimmer 304 gegangen seien und das öfters, über einen Zeitraum von etwas mehr als einen Monat.

Die Staatsanwaltschaft konnte belegen: Es hatte keine einfache Möglichkeit für Hummel gegeben, von unserer Hochzeit zu erfahren. Dies, zusammen mit dem ‚halben‘ Wiedererkennen von mir und dem Wiedererkennen von Beatrix, führte später zur Annahme der Anklage. Das Gerichtsverfahren wurde eröffnet.


43. Dr. Rossi und die Gegenoffensive


Der berühmte Strafverteidiger Dr. Rossi erschien bei uns in Lausanne, noch bevor die Anklage angenommen worden war. Wir hatten bereits beschlossen, bis auf weiteres dort wohnen zu bleiben, um den Nachstellungen der Reporter in Deutschland zu entgehen.

Dr. Rossi war von Dr. Angerfurth schon in alles wesentliche eingeführt worden, u.a. auch, wie sehr die Anklage der Wahrheit entsprach.

„Die Anklage ist nicht sehr stark. Ich glaube, das Gerichtsverfahren wird gar nicht eröffnet werden. Allerdings müssen wir uns auch darauf vorbereiten, wenn dies doch geschieht. Ich meine, wir müssen jetzt unsere Taktik ändern, um in die Offensive zu kommen. Wenn wir das nicht schaffen, wird uns die Presse gnadenlos abschlachten und dies wird weit schlimmer sein als irgendeine eventuelle Verurteilung, die sowieso auf Bewährung wäre.

Sie haben jetzt beide Vorladungen zu Aussagen vor dem Untersuchungsrichter vorliegen. Ich glaube, Sie sollten aussagen.

Wir müssen – meiner Meinung nach – dem Richter, aber vor allem der Öffentlichkeit – denn die darf Sie nicht verurteilen - , plausible Erklärungen geben, wie Hummel im Einzelnen dazu kam, diese Dinge zu erfinden.

Ich habe diese Linie der Verteidigung bereits mit den Vertretern von Frau Staudinger, Frau Schätzinger und Frau von Hohenthal abgestimmt: Frau von Hohenthal wird angeben und ein Portier des Hotels wird bestätigen: Das Zimmer 304 war zu ihrer persönlichen Verfügung reserviert.

Dort traf sie sich ab und zu mit ihren Freundinnen (das sind die drei anderen Damen einschließlich Ihnen, Frau Hogens) und sie stellte das Zimmer ihren Freundinnen auch zur Verfügung, wenn eine von ihnen sie darum bat.

Sie hat das Zimmer Ihnen, Frau Hogens, zu Treffen mit ihrem damals heimlichen Verlobten, Ihnen, Herr Weiss, zur Verfügung gestellt.

Diese Version ist zwar etwas gefährlich, weil man natürlich vermuten wird, dort wurde Sex gemacht und das würde ja – vor Ihrem 16. Geburtstag, Herr Weiss – auch in die Kategorie ‚Unzucht mit Minderjährigen‘ fallen, aber es wäre praktisch nicht nachzuweisen und so etwas pflegt die Öffentlichkeit zu verzeihen, wenn hinterher geheiratet wird.

Ich bin vor allem über das Urteil der Allgemeinheit besorgt, weil ein solcher Prozeß großes Aufsehen verursachen würde und nur schwer zu gewinnen ist, wenn die Stimme des Volkes einhellig eine Verurteilung fordert.

Zwar ist die Presse unbarmherzig, gerade wenn es um mögliche Vergehen bemittelter Leute geht, wenn man aber eine wirklich stimmige und glaubwürdige Geschichte präsentiert und das ganze noch mit einer romantischen Liebesgeschichte und einer heimlichen Verlobung garniert, kann die Presse einen auch stark unterstützen und eine Verurteilung fast unmöglich machen.

Leider hat dieser Hummel auch jene Beatrix Zimmer identifiziert. Dies macht ein wenig Probleme, weil sie ja nicht zu den Freundinnen von Frau von Hohenthal gehört.

Wir müssen also angeben: Wir alle kennen jene Frau Zimmer nicht und wissen nicht, wie sie in diese Geschichte hineinkommt (jene ‚Erklärung‘ ist natürlich gefälscht).

Frau von Hohenthal und der Portier werden außerdem aussagen, daß manchmal, wenn das Hotel voll war, auch das Zimmer 304 normal als Hotelzimmer vermietet wurde. Wahrscheinlich sei es einmal an jene Frau Zimmer vermietet worden und jener Hummel habe sie gesehen und deshalb mit in die Geschichte eingebaut, die er erfunden habe.

Diese unsere Vermutung werden wir auch zu Ohren von Frau Zimmer kommen lassen und sie wird sie wohl aufgreifen, denn sie ist ja genauso wie wir an einer Einstellung bzw. einem Freispruch interessiert.

Wenn die Frage aufkommt, warum Sie, Frau Hogens, sich in einem Hotelzimmer mit ihrem Verlobten getroffen haben und nicht in ihrer Villa, so ist die Erklärung einfach: Ihre Villa wurde schon verschiedentlich von Reportern beobachtet und sie wollten auf keinen Fall, daß diese Verbindung vorzeitig an die Öffentlichkeit kommt, natürlich auch und gerade unter dem Aspekt des Alters ihres Verlobten, der ja noch keine 16 war.

Wir werden versuchen, die Presse für unsere Zwecke zu nutzen. Dadurch, daß die Wochenschau im ganzen deutschsprachigen Raum gelaufen ist, besteht ein großes Interesse an dem Fall und Vertreter der Presse werden wahrscheinlich die Einladung annehmen, Sie hier in Lausanne zu besuchen und „exklusive“ Interviews mit Ihnen zu machen.

Ich werde die ‚Abendzeitung‘, die Hamburger ‚Bildzeitung‘ und die Illustrierte ‚Revue‘ einladen (damals gab es die ‚Bildzeitung‘ noch nicht bundesweit mit Regionalausgaben. Sie hieß eigentlich noch ’10 Pfennig im Bild‘).

Sie müssen sich eine romantische Geschichte zurechtlegen, wie Sie sich kennen- und lieben gelernt haben. Denken Sie sich einige Details aus, die das schön illustrieren. Und denken sie immer daran, es darf kein einziger logischer Fehler in der Geschichte sein.“

Als wir diesmal in München-Oberwiesenfeld landeten, durften die Reporter bis direkt ans Flugzeug. Wir mußten extra warten, bis alle in Stellung waren, bevor Susanne und ich, Seite an Seite, die kleine Treppe hinunterschritten, im Blitzlichtgewitter der Fotoreporter.

Vor der Treppe (Gangway wäre zuviel gesagt) war ein kleiner roter Teppich. Dort gaben wir, unterstützt von Dr. Rossi, eine ‚Instant-Pressekonferenz‘. Die Reporter riefen uns Fragen zu und Susanne und ich – und manchmal der Anwalt – antworteten, mit der größtmöglichen Natürlichkeit.

„Frau Weiss-Hogens, ist es richtig, daß sie ihren Mann wegen seiner Fähigkeiten im Bett geheiratet haben?“

„Warum haben Sie ihre Frau geheiratet, mein Herr?? Etwa nur wegen ihrer Fähigkeiten im Bett?“

„Herr Weiss-Hogens, ist es wahr, daß Sie ein riesiges Geschlechtsteil haben?“

„Nein!“

„Was ist dran an den Anklagen wegen des Prostitutionsrings?“

„Alles erfunden. Der Zeuge ist entlassen worden und hatte eine Wut auf seine ehemalige Arbeitgeberin. Deshalb hat er diese Geschichte erfunden."


Nach unseren Aussagen im Polizeipräsidium (wir stritten natürlich alles ab) wurde im ‚Excellent‘, dem Hotel von Frau von Hohenthal in der Theatinerstrasse, eine Pressekonferenz abgehalten.

Vorher wurde den Reportern die Suite 304 gezeigt, mit ‚Wohnzimmer‘, um glaubwürdig zu machen, daß Frau von Hohenthal sich hier mit ihren Freundinnen traf.

Bei der Pressekonferenz saßen Dr. Rossi, die vier Damen, der Portier und ich auf dem Podium und unten drängten sich dicht an dicht Reporter mit Notizblöcken, mit Blitzlichtkameras und Fernsehkameras und erneut Teams von Wochenschauen mit gleißenden Scheinwerfern.

Zuerst gab Dr. Rossi in einer eindrucksvollen Rede unsere Darstellung der Fakten und vergaß nicht, beachtlich auf die Tränendrüsen zu drücken.

Dann sprach der Portier und schließlich Frau von Hohenthal:

„Wir mußten zu unserem Leidwesen Anfang des Jahres feststellen, daß immer wieder Objekte aus den Zimmern des Hotels verschwanden, auch und gerade aus Zimmern, die überhaupt nicht genutzt wurden. Die jeweiligen Zeitpunkte stimmten ausnahmslos mit den Dienstzeiten von Herrn Hummel überein. Wir beschlossen dann, Herrn Hummel zu entlassen, aber nicht anzuzeigen, um das Leben des jungen Mannes nicht zu zerstören und ihm eine Chance zur Besserung zu geben.“

Danach konnten die Reporter Fragen stellen. Die meisten Fragen waren vorher schon beantwortet worden. Ob die Reporter sie noch einmal stellten, um eventuelle Widersprüche in den Antworten herauszufinden – oder hatten sie einfach nur nicht zugehört?

Dann kam jene Szene, die später über Fernsehen und Wochenschauen mein ‚Sexualleben‘ vor aller Welt ausbreiten sollte:

Der Reporter fragte, was meine besonderen Fähigkeiten ‚im Bett‘ wären, da ich soviel ‚Erfolg bei Frauen‘ hätte.

„Ich weiß nichts von einem ‚Erfolg bei Frauen‘. Ich habe meine Frau kennen und lieben gelernt, lange bevor wir miteinander ins Bett gegangen sind. Ich kann Ihnen versichern: Mein Organ ist völlig normal.“

Zwischenruf eines Reporters: „Vielleicht ist es die lange Zunge?!“

Brüllendes Gelächter!

Dr. Rossi forderte mich auf, die Zunge herauszustrecken, um zu dokumentieren: Sie ist normal.

Noch jahrelang wurde ich immer wieder von allen möglichen Leuten auf die Szene mit der herausgestreckten Zunge angesprochen. Es schien sie fast jeder im deutschsprachigen Raum gesehen zu haben.

Jetzt war ich berühmt – allerdings war es jene Art der Berühmtheit, die nicht gerade angenehm ist. Wenn jeder glaubt, etwas über dein Sexualleben zu wissen und dann Kommentare abgegeben und Witze gerissen werden, so ist das nicht Jedermanns Sache.

Als die Teams der ‚Abendzeitung‘, der ‚Bildzeitung‘ und der ‚Revue‘, eines nach dem anderen, in Lausanne auftauchten, tischten wir ihnen eine romantische Geschichte auf, wie wir uns im Englischen Garten kennengelernt hatten, wie wir lange Gespräche im Café am Kleinhesseloher See geführt hatten und begannen uns zu lieben (Alle Berichte wurden danach mit einem Foto jenes Gartencafés am Ufer des Kleinhesseloher Sees geschmückt).

Dann, wie wir uns heimlich im Hotelzimmer trafen und schliesslich heimlich heirateten. Und dann – diese böse Verleumdung, die uns sogar vor Gericht bringt (Zu diesem Zeitpunkt wußten wir schon, daß das Gerichtsverfahren eröffnet und die Anklage angenommen worden war).

Wir hatten niemand etwas genaueres über unsere Hochzeit erzählt, aber eines der Blätter behauptete, wir hätten in Gretna Green geheiratet und andere schrieben es ab. So blieb der Eindruck einer ‚Gretna-Green-Hochzeit‘, was das Ganze noch romantischer machte.

In allen Veröffentlichungen waren Fotos, die uns vor den Wasserspielen unterhalb unseres Schlößchens zeigten und solche, auf denen wir uns zärtlich küßten.

Die neue Taktik von Dr. Rossi war zu spät gekommen, um noch das Gerichtsverfahren verhindern zu können. Einen Tag vor unserer Aussage in München war die Anklage angenommen worden. Aber nun war die Staatsanwaltschaft, wie Dr. Rossi beabsichtigt hatte, in die Defensive geraten.

Sie war nach unserer Pressekonferenz gezwungen gewesen, Frau von Hohenthal und den Portier zur Aussage zu bitten. Das wesentliche Argument eines zusätzlichen Indizes, daß Hummel nichts von unserer Hochzeit wissen konnte, war unbrauchbar geworden, weil wir zugegeben hatten, uns in jenem Zimmer getroffen zu haben.

So war es unbedeutend geworden, daß er mich (teilweise) identifiziert hatte. Beatrix hatte, wie wir es wollten, angegeben, in jenem Zeitraum einmal in jenem Zimmer als normaler Hotelgast übernachtet zu haben. Damit war auch ihre Identifizierung nicht mehr beweisträchtig.

Wer jetzt Informationen an die Presse durchsickern ließ, war unser Anwalt. Er erzählte uns, wie das ging:

„Vor einiger Zeit hat eine meiner Gehilfinnen zufällig einen Journalisten von dpa kennengelernt. Als er erfuhr, wo sie arbeitete, hatte er versucht, so erzählte sie mir, Informationen aus ihr herauszulocken.

Jetzt drehte ich den Spieß um und bat sie, den Kontakt mit dem Journalisten zu halten und gab ihr ab und zu Informationen, die sie ihm ‚unter dem Siegel der Verschwiegenheit‘ offenbarte.

Der Journalist zahlt ihr eine nette Summe für jede ‚Offenbarung‘ und von mir bekommt sie auch noch zusätzlich Geld.“

Die Zeitungen veröffentlichten jetzt, – entgegen dem, was vorher berichtet worden war – hatte Hummel mich nicht eindeutig identifiziert, sondern nur als einen von zwei möglichen.

Ebenso erfuhr die Öffentlichkeit jetzt, daß er eine andere Frau als Teilnehmerin an den Treffen identifiziert hatte, die gar nicht dort gewesen sein konnte.

Die Presse berichtete auch über eine Untersuchung, die ein Spezialist für Dr. Rossi durchgeführt hatte: In der ganzen deutschen Rechtsgeschichte war noch nie ein Strafprozeß eröffnet worden, der nur auf der Aussage einer Person, ohne irgendwelche Indizien oder sonstigen Anhaltspunkte, beruhte.

Um den Gerüchten noch einen letzten Stoß zu versetzen, beauftragte Dr. Rossi einen bekannten Münchener Arzt, ein Gutachten über mein Sexualorgan zu erstellen – nicht ohne Susanne vorher gefragt zu haben, ob mein 'Kleiner' nicht wirklich besonders groß sei, wie sie mir lachend erzählte: „Dieses gedankenlose Volk versteht nicht, daß ‚gut im Bett‘ nichts mit der Länge des Pimmels zu tun hat.“

Es erschien also der Arzt (per Privatflugzeug) bei uns in Lausanne und examinierte meinen Penis. Er bat auch Susanne dazu und ließ sie ihn etwas reiben, um ihn in eregiertem Zustand zu sehen.

Das Ergebnis, daß er völlig normal sei, ließ Dr. Rossi ebenfalls an die Presse durchsickern.

In der öffentlichen Meinung hatte die Taktik von Dr. Rossi einen kompletten Umschwung bewirkt. Während ich vorher schon „das Potenzwunder von München“ und „die männliche Nitribit“ genannt worden war (Der Skandal um die Ermordung der Luxusprostituierten Rosemarie Nitribit war gerade aktuell), wurden wir jetzt zum ‚Liebespaar des Jahres‘.

Die Kommentare in den Zeitungen begannen jetzt hervorzuheben, daß der ganze Prozeß nur auf den Aussagen eines Mannes beruhte.


44. Der Ausgang des Prozesses

Etwa zu dieser Zeit, noch bevor der Prozeß begann, bekam ich einen anonymen Brief.

Ich konnte nicht feststellen, wer ihn gebracht hatte. Er war nicht mit der Post gekommen. Er lag plötzlich auf meinem Nachttisch, als ich abends in mein Zimmer kam.

Jeanette sagte, sie wisse nicht, wie er dort hingekommen war. Der Brief war in gutem Deutsch geschrieben, so daß ich Jeanette und ihre Familie als Autoren ausschließen mußte.

In einer großen, stark nach rechts geneigten Schrift wurde mir in diesem Brief mitgeteilt, daß Susanne einen Liebhaber hätte. Die letzten Wochen hätte sie sich jedes Mal, wenn sie in Bielerau gewesen sei, mit ihm getroffen und dort mit ihm übernachtet.

Es handele sich um einen gewissen Friedrich Tauentziehn, einen Deutschen, der in der Nähe von Bielerau extra zu diesem Zweck sogar ein Apartment gemietet hätte (Die Adresse war angegeben). Ich erinnerte mich: Ein Fritz Tauentziehn war mir als Freund von Susanne auf der Hochzeit vorgestellt worden. Später war er auf unserem Fest gewesen. Ob das wahr war?

In Wirklichkeit war ich nicht allzu besorgt. Und wenn sie einen Liebhaber hatte? War ich nicht auch in eine andere Frau verliebt?

Vielleicht war der anonyme Brief das letzte Tröpfchen gewesen, das noch gefehlt hatte, um das Faß zum Überlaufen zu bringen. Am nächsten Tag jedenfalls, als Susanne wieder in Bielerau war, weil sie, wie sie sagte, sich um die Fabrik kümmern mußte, widerstand ich der Versuchung nicht mehr.

Als ich mich morgens anzog, kam Jeanette herein und fing an aufzuräumen, so als habe sie mich nicht bemerkt. Sie kam ganz nahe bei mir neben dem Bett vorbei und ich konnte sie riechen und den Luftzug fühlen.

Ich wußte schon, daß sie wieder kein Höschen anhatte. Diesmal nahm ich sie einfach in den Arm und küßte sie. Sie zitterte in meinen Armen. Zuerst erwiderte sie den Kuß nicht, doch dann begann sie, ihn zu erwidern und dann lutschte sie leidenschaftlich an meinen Lippen.

Sie zog mich aufs Bett. Dann . . . (aber jetzt sind wir ja noch beim Prozeß).


Der Prozeß begann etwa einen Monat, nachdem die Anklage angenommen worden war.

Damals war die Justiz noch nicht völlig mit Prozessen überlastet.

Genau gesagt, waren es zwei Prozesse. Der Prozeß gegen mich wegen Prostitution war vor dem Jugendstrafgericht, der gegen die Frauen wegen Unzucht mit Minderjährigen vor dem normalen Schwurgericht.

Mein Prozeß jedoch, wegen dem wir extra nach München gekommen waren, dauerte nur 10 Minuten.

Der Richter eröffnete, stellte meine Anwesenheit fest und die Staatsanwaltschaft stellte in 5 Minuten die Anklage dar. Der Richter stellte einige scharfe Fragen an die Staatsanwaltschaft, die völlig unzureichend und mit leichtem Stottern beantwortet wurden.

Dann fragte mich der Richter, ob die Anklage der Wahrheit entspräche. „Nein!“
und der Richter erklärte den Prozeß wegen mangelnder Anhaltspunkte für die Anklage geschlossen: „Freispruch!“

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft protestierte nicht einmal. Noch am gleichen Tag kehrten wir per Flugzeug nach Lausanne zurück, obwohl nur drei Tage später Susannes Prozeß beginnen sollte.

Am darauf folgenden Tag kam Dr. Rossi nach Lausanne und wir trafen uns wieder in der Bibliothek.

„Der Freispruch für Sie, Herr Weiss-Hogens, ist einerseits sehr positiv. Die öffentliche Meinung ist jetzt völlig auf unserer Seite. Der Prozeß gegen die Damen wird als ein ‚Absurdum‘ bezeichnet. Die schnelle Einstellung des Verfahrens hat diese Tendenz in der Berichterstattung noch verstärkt.

Andererseits vermute ich, daß die Staatsanwaltschaft dieses Resultat bewußt provoziert hat, weil sie sich in einer fast unhaltbaren Position bezüglich des Verfahrens gegen die Damen befand.

In diesem Freispruch hat sie jetzt einen letzten Strohhalm gesehen und ergriffen, um eventuell doch noch einen Prozeß mit einer Verurteilung zu erreichen.

Jetzt können Sie, Herr Weiss-Hogens, nämlich als Zeuge in dem Prozeß gegen die Damen aussagen, ohne daß so ohne weiteres behauptet werden kann, Sie würden sich selbst belasten.

Übermorgen wird, kurz nach der Eröffnung des Prozesses, sobald in die Beweisaufnahme eingetreten wird, die Liste der Zeugen der Staatsanwaltschaft vorgelegt werden und ich bin sicher, Sie werden darauf stehen.

Die Staatsanwaltschaft wird versuchen, Sie in den Zeugenstand zu rufen, Sie zu vereidigen und dann, unter Hinweis auf die ‚Heiligkeit des Eides‘ und die schwere Strafbarkeit des Meineids – größer als die Strafbarkeit der angeklagten Taten -, Sie zu bewegen, die Geschichte des Zeugen zu bestätigen.

Sie wird in beeindruckenden Worten auf Sie einreden und rechnet dabei mit Ihrer Jugend und Unerfahrenheit und auch der leichten Beeindruckbarkeit von Jugendlichen.

Ich werde deshalb sofort gegen Ihre Zeugenberufung Einspruch einlegen. Ich habe bereits Gutachten zu drei grundlegenden Punkten in Auftrag gegeben, die uns die Argumente geben werden, dies zu verhindern. Die Gutachten werden bis morgen fertig sein.

Der erste Punkt wird sein: Sie sind mit der hauptsächlich Angeklagten verheiratet, die das Ganze organisiert haben soll. Wir werden zeigen, es ist praktisch unmöglich, daß Sie irgendwelche Aussagen im Sinne der Anklage zu den anderen Angeklagten machen, ohne auch ihre Ehefrau zu belasten.

Der zweite Punkt ist ihre Jugend. Wir werden zeigen, es ist einem Jugendlichen nicht zuzumuten, in einem Strafverfahren zu sexuellen Straftaten als Zeuge auszusagen, wenn seine Aussage auch auf andere Art und Weise erlangt werden kann. Es liegt ja bereits schriftlich Ihre Aussage im Untersuchungsverfahren vor. Die kann bei Bedarf verlesen werden.

Für Sie macht das einen gewaltigen Unterschied. Im Untersuchungsverfahren durften Sie nämlich ungestraft lügen, weil Sie nicht gegen sich selbst aussagen müssen. Jetzt aber, bereits freigesprochen, müßten Sie einen Meineid schwören, der schwer bestraft werden könnte.

Der dritte Punkt ist, daß Sie sich eben doch noch selbst belasten können. Im Deutschen Recht gibt es nämlich nicht, wie im angelsächsischen Raum, jenes absolute Verbot, jemanden ein zweites Mal wegen der selben Sache vor Gericht zu bringen. Vielmehr gibt es die Möglichkeit der Wiederaufnahme eines Verfahrens.

Mit diesen Argumenten verhindern wir Ihre Berufung in den Zeugenstand. Damit wird praktisch die letzte Chance der Staatsanwaltschaft zunichte gemacht.

Danach dürfte der Prozeß schnell zu Ende gehen.“

Und so geschah es. Das öffentliche Aufsehen, daß der Prozeß hervorrief, war riesig. Genauso groß war aber die Einhelligkeit in der öffentlichen Meinung, mit der schon seine Eröffnung abgelehnt wurde.

Die Reporter, Film- und Fernsehteams mußten aber ihre Kameras draußen lassen. Obwohl schon der größte Saal des Münchener ‚Justizpalast‘ am Stachus gewählt worden war, hatte nur ein winziger Teil der Menge, die ins Gebäude drängte, Einlaß gefunden.

Dr. Rossi wollte unbedingt, daß ich im Zuschauerraum bin. Er sagte, damit hätte er für alle Fälle noch ein zusätzliches Argument, meine Zeugenaussage zu verhindern, denn die Zeugen sollen unbeeinflußt vom vorherigen Prozeßablauf sein.

Er schleuste mich unter einem Vorwand ins Anwaltszimmer neben dem Gerichtssaal ein und zeigte mir dann an der Tür seine Assistentin im Zuschauerraum, die seit dem frühen Morgen Schlange gestanden hatte, um sich (mir) einen Platz zu sichern.

Ich brauchte bloß zu ihr zu gehen und sie überließ mir ihren Platz. Sie ging dann in den Anwaltsraum und blieb neben Dr. Rossi als Assistentin.

Als das Verfahren eröffnet wurde, saßen auf der Anklagebank nebeneinander Susanne und die drei anderen Frauen und, mit etwas Abstand, Beatrix.

Dr. Rossi, seine Assistentin und andere Anwälte saßen an einem Tisch daneben.

In wenigen Minuten hatte die Staatsanwaltschaft die Anklage vorgetragen. Sie war wirklich ziemlich kläglich, denn sie konnte den anonymen Brief ja nicht verwenden.

Einmal erwähnte die junge Staatsanwältin ‚andere Quellen‘, um eine Plausibilität zu erreichen, aber da sah ich Dr. Rossi schon etwas notieren. Er würde bis zum ‚geht nicht mehr‘ auf jenen ‚anderen Quellen‘ herumreiten, bis dieser ganze Komplex zurückgezogen werden würde.

Der Oberstaatsanwalt, der die ganze Untersuchung geführt hatte, ließ sich als krank entschuldigen und hatte eine unerfahrene Frau als Vertretung geschickt. Nach diesem Prozeß würde die wohl seinen Posten nicht mehr gefährden.

Wie vorausgesehen, stand ich auf der Liste der Zeugen der Anklage und Dr. Rossi legte Protest ein. Er trug einen Packen Papier zum Richtertisch, um meine Einvernehmung als Zeuge zu verhindern.

Das Gericht vertagte sich, um diese Unterlagen zu prüfen und zu entscheiden.

Drei Tage später war entschieden: Ich durfte nicht als Zeuge vernommen werden! Es durften nur meine Aussagen im Untersuchungsverfahren verwendet werden.

Damit war die Anklage zusammengebrochen. Unter heftigster Anteilnahme der Öffentlichkeit wurden die Damen freigesprochen!

Der Richter gab sogar noch eine deutliche Rüge an die Staatsanwaltschaft und ließ diese ausdrücklich an den Oberstaatsanwalt ausrichten. So etwas in aller Öffentlichkeit ist nicht sehr üblich und rief beachtliches Aufsehen hervor.

Dr. Angerfurth erzählte mir später, daß diese Rüge in Justizkreisen lange und kontrovers diskutiert worden sei. Der Oberstaatsanwalt sei an ein anderes Gericht versetzt worden.

Wir waren diese vier Tage in Starnberg geblieben, allerdings ohne alle Hausangestellten mitzunehmen. Nur die Köchin und der Diener fuhren mit dem Chauffeur im Auto nach Starnberg. Wir hatten bereits beschlossen, noch eine Weile in Lausanne wohnen zu bleiben, bis das öffentliche Interesse abgeflaut war und wir uns im Raum München bewegen konnten, ohne andauernd über Reporter zu stolpern.

Susanne ‚mußte’ weiter regelmäßig nach Bielerau und übernachtete dann dort auch. Sei es, sie gab dies nur vor, um sich mit ihrem Liebhaber zu treffen, sei es wirklich geschäftlich gewesen.


45. In flagranti!

Als Jeanette mich auf das Bett gezogen hatte, ging alles ganz schnell. Wir küßten uns leidenschaftlich, unterbrachen dies nur kurz, um uns zu versichern: „Ich liebe dich! Ich liebe dich!“ „Ich liebe dich auch!“ und dann wieder, um uns die wenige Kleidung herunterzureißen.

Jetzt konnte ich wirklich ihre prächtigen Brüste berühren. Mein 'Kleiner' stand schon seit unserem ersten Kuß. Sie öffnete die Beine, griff nach unten und dirigierte ihn dort hinein, wo es schon gut geschmiert war.

Ich kam überhaupt nicht auf die Idee, meine übliche Technik anzuwenden. Dies hier war etwas anderes! Sie erwartete von mir, daß ich ihn 'dort' hinein steckte, also glitt er dahin.

Sie stöhnte laut und flüsterte: „Oh, mein Liebling, mein Liebling!“ Ich war so aufgereizt gewesen, daß ich bereits nach wenigen Sekunden da drin ‚abschoß‘.

'Er' fiel kurz danach in sich zusammen und wir konnten nicht mehr weitermachen. Sie war natürlich noch nicht zum Orgasmus gekommen, reklamierte aber überhaupt nicht.

Statt dessen deckte sie mich überall mit Küssen ein. Jetzt war mir also genau das passiert, was ich früher im Unterschlupf gesehen hatte und nicht verstehen konnte. Wir versicherten uns noch hundert Male, daß wir uns liebten.

Abends kam sie wieder in mein Zimmer und diesmal ließen wir uns etwas mehr Zeit mit Streicheln und Küssen, bevor wir zur Sache kamen. Aber kaum war ich drin und machte ein paar Bewegungen, schon kam ich zum Orgasmus. Jetzt, da ich Sex mit einer Frau machte, die ich wirklich liebte, konnte ich sie nicht zum Orgasmus bringen, ich, der ich angeblich „besser war als alle Männer“.

Ich erinnerte mich aber, daß ich ja auch schon andere Arten von Sex gesehen hatte. Ich rutschte also nach unten und fuhr mit den Lippen in ihre Vulva. Was ich früher als eklig abgelehnt hätte, machte ich nun mit Selbstverständlichkeit. Ich liebte diese Frau und wollte alles tun, um ihr zu gefallen. Der Geschmack da drin erinnerte an einen gut gewürzten Sauerbraten und hatte gar nichts von Urin.

Jetzt konnte ich aus der Nähe sehen, wie groß der kleine Penis war und wie weit er aus der Vulva herausstand. Er war jetzt, im erregten Zustand fast genauso dick wie die beiden Lippen rechts und links.

An seiner Spitze lugte unter einem Schutz von Haut eine kleine Eichel hervor, viel kleiner als bei einem Mann, aber doch deutlich sichtbar. Ich war fasziniert. Sie stöhnte laut, wenn ich mit der Zunge von unten, vom Eingang der Vagina, bis hinauf ans obere Ende der Vulva fuhr.

Wirklich zum Orgasmus brachte ich sie aber, wenn ich an dem kleinen Penis lutschte und mit meinen Lippen, wie bei einem richtigen Penis, seine Haut herauf und herunter schob und gleichzeitig mit zwei Fingern in der Vagina rieb. Man brauchte mit den Fingern nicht weit hineinfahren, es reichte, wenn man am Eingang der Vagina mit den ersten beiden Gliedern von Mittel- und Zeigefinger rieb.

Es spielte sich jetzt so ein: Beim Sex mit ihr machte ich immer vorher oder nachher oralen Sex und brachte sie dabei ein oder mehrere Male zum Orgasmus.

Wir machten jetzt morgens und abends Sex, wenn Susanne nicht da war. Ansonsten versuchten wir, den Schein zu wahren und die anderen Hausangestellten nichts merken zu lassen.

Wenn Susanne da war, vermieden wir selbst heimliche Blicke, um sie auf keinen Fall aufmerksam zu machen.

Trotzdem war es offensichtlich nicht möglich gewesen, unsere heimlichen Treffen wirklich geheim zu halten. Die Dienstboten oder jedenfalls einer von ihnen, hatte bemerkt, was da vor sich ging und hatte offenbar Susanne informiert.

Unsere ‚Romanze‘ hatte noch keine zwei Wochen gedauert, da wurden wir auch schon auf frischer Tat ertappt.

Susanne hatte gesagt, sie würde in Bielerau übernachten, kam aber am Abend zurück.

Mitten in unserem schönsten Sex ging plötzlich die Tür auf und Susanne stand in der Tür! Hinter ihr die neugierigen Gesichter des Chauffeurs und des Dieners. Einer von beiden war es sicher gewesen, der uns verraten hatte.

Die Situation war eindeutig, man konnte nichts abstreiten. Susanne begann mit verzerrtem Gesicht zu schreien: „Du Hure, du gottverdammtes hinterhältiges Flittchen! Dir werde ich zeigen, meinen Mann mit deinem großen Arsch zu verführen!“

Sie ging auf das Bett zu und wollte auf Jeanette losgehen, die noch, nur mit der Bettdecke bekleidet, im Bett saß, aber ich stellte mich schützend davor.

„Und du bist natürlich schamlos und läßt dich mit jeder dahergelaufenen Dienstmagd ein!“

Ich begann mich jetzt anzuziehen, weil es mir doch etwas unangenehm war, vor den Bediensteten so nackt dazustehen.

Der Chauffeur war inzwischen eingetreten und hielt Susanne davon ab, auf Jeanette einzuschlagen, die unter der Bettdecke Schutz suchte.

„Du bist entlassen! Und deine Eltern kannst du auch gleich mitnehmen! Ich will niemanden mehr sehen in meinem Haus von euch ..., euch ... Familie von Betrügern!“

Ich war inzwischen wieder angezogen und fühlte mich etwas sicherer. „Na, nun beruhige dich erst einmal wieder, Susanne! Es ist nichts weiter geschehen außer ein bißchen Sex. Das lohnt gar nicht so viel Aufregung. Schließlich warst du ja auch so oft nicht da!“

„Außerdem – du kannst Jeanette gar nicht entlassen. Entscheidungen müssen wir zwei gemeinsam fällen. Und ich bin dagegen!“

Es war wohl nicht besonders klug von mir, in diesem Moment auf diesem Punkt herumzureiten. Aber diese Art von Klugheit ist ja nicht gerade das Privileg der Jugend.

„So, du glaubst, du hast noch irgend etwas zu sagen in diesem Haus? Dir werde ich zeigen, wieviel du hier noch zu sagen hast, nämlich gar nichts. Du bist ein Nichts! Ein Nichts, hörst du!“

Ihre Stimme überschlug sich.

Jetzt kam sie überhaupt erst richtig in Rage. Sie war auch am Anfang schon aufgeregt gewesen, nun aber schrie sie nur noch wild herum und war völlig außer sich.

Zu Jeanette: „Du kleines Miststück, du gehst jetzt sofort auf dein Zimmer, packst deine Sachen und verschwindest augenblicklich aus diesem Haus! Nein, du brauchst nichts anzuziehen! Du gehst so, wie du bist, auf dein Zimmer!“

Sie riß ihr die Bettdecke herunter und ging auf sie los. Jeanette blieb nichts anderes übrig, als nackt, wie sie war, im Laufschritt zu flüchten. Vor den beiden Männern im Raum war das eine unglaubliche Demütigung.

Ich ging auf sie zu:

„Aber nun hör doch auf!“

Doch nun war sie richtig in Fahrt.

„Und du ziehst gleich diese Sachen wieder aus. Die hast du alle von mir und in Zukunft wirst du nichts, hörst du, nichts mehr haben, was mir gehört!“

Sie wies den Diener an, nachzuhelfen, daß ich alles auszöge.

„Die Unterhose darf er anbehalten!“

In diesem Augenblick erschien Jeanettes Vater im Türrahmen. Er hatte an diesem Tag noch länger gearbeitet. Von dem Geschrei angezogen, war er gekommen, um zu sehen, was anlag:

„Was ist passiert?“

Susanne antwortete nicht, sondern blaffte ihn sofort an:

„Sie brauchen gar nicht so ahnungslos zu tun! Sie haben das zusammen mit ihrer Frau und ihrer Tochter ausgeheckt!“

„Sie und ihre Frau können auch sofort Ihre Sachen packen und verschwinden. Falls Sie noch Lohn zu bekommen haben, klären wir das schriftlich.“

Ich hatte inzwischen nur noch die Unterhose an.

„Und du verschwindest jetzt auch! Führen Sie ihn aus dem Haus!“

„Na hör mal, das kannst du doch nicht machen!“

„Ach, kann ich nicht? Du wirst sehen, wie ich kann!“

„Du mußt mich zumindest meine Sachen mitnehmen lassen!“

„Deine Sachen, deine Sachen? Hier gibt es keine Sachen von dir. Alles, was hier ist, gehört mir! Und jetzt ab mit ihm!“

Der Diener packte mich am Arm und führte mich weg. Erst vor dem Schlößchen ließ er mich los und schloß die Tür von innen. Von außen konnte man sie nicht öffnen und meinen Schlüssel hatte ich natürlich nicht in der Unterhose.

Ich glaubte aber immer noch, sie sei nur aufgeregt, sie täte dies nur, um ein Exempel zu statuieren.

Also ging ich um das Schloß herum und betrat es durch den Dienstboteneingang zur Küche. Ich wußte, der wurde nur nachts abgeschlossen, wenn der letzte das Haus verließ.

Als sie meiner ansichtig wurde, begann sie sofort erneut zu schreien, bevor ich etwas sagen konnte:

„Ist dieser Unglückswurm schon wieder da? Schmeißen Sie ihn vom Grundstück! Ich will dich nie wieder sehen, hörst du, nie wieder! Wenn du hier noch einmal auftauchst, lasse ich auf dich schießen!“

Schon packte mich der Diener erneut und beförderte mich noch einmal aus dem Haus.

Diesmal ließ er vor dem Haus aber nicht los, sondern ging mit mir, immer meinen Arm fest im Griff, den ganzen Weg die Auffahrt hinab zum Eingangstor.
Der Diener stieß mich durch das Tor und verschloß es.

Da stand ich nun und wußte nicht, was ich tun sollte. Es war inzwischen Oktober und auch hier, im warmen Klima des Genfer Sees, wurde es abends schon kühl. Ich fröstelte, so ohne Kleidung.

Ich war in einem fremden Land, dessen Sprache ich nicht einmal sprach und hatte nichts, absolut nichts, nur eine Unterhose.

Hinunter in die Stadt zu gehen, fast nackt und barfuß, kam nicht in Frage. Wo hätte ich auch hingehen sollen?

Es blieb nur, wieder zurück zum Schloß und warten, bis Susanne sich beruhigt hatte. Ich kannte den Park sehr gut und wußte, wo eine Lücke im Zaun war und man hinein schlüpfen konnte.

Auf halbem Weg kam mir Jeanettes Vater mit einer Reisetasche entgegen. „Sie ist völlig außer sich.“

„Ja, sie benimmt sich unmöglich. Ob sie sich bald beruhigt? Ich habe keine große Lust, hier noch lange so herumzulaufen.“

„Ich glaube, sie wird sich nicht so schnell beruhigen. Ich würde jetzt nicht zurückgehen. Sie hat den Diener angewiesen, ein Gewehr zu laden und auf Sie zu schießen, wenn Sie wieder auftauchen. Es ist zwar nur Schrotmunition, kann aber doch sehr unangenehm sein.“

„Kommen Sie lieber mit mir. Ich gebe Ihnen meine Jacke, sonst wird es zu kalt.“

„Wo gehen Sie hin?“

„Ich gehe nach Hause. Wir haben ja ein kleines Appartment unten in der Stadt.

Meine Frau ist schon dort. Jeanette ist auch schon gegangen.“

Also ging ich mit ihm. Jetzt hatte ich immerhin schon eine Jacke und eine Unterhose an.

Es war fast eine halbe Stunde zu laufen bis zu jener kleinen Wohnung in der Stadt. Meine Füße schmerzten und brannten vom Laufen im Straßenstaub und mit den Körnchen und Steinchen, die überall herumliegen, die man aber erst bemerkt, wenn man barfuß ist. Als wir ankamen, konnte ich nur noch hinken und meine Füße bluteten.

In der Wohnung fiel mir Jeanette in die Arme und weinte.

Die Demas hatten eigentlich keinen Platz für mich in der kleinen Wohnung, aber sie trieben eine Matratze bei Nachbarn auf und ich konnte im Wohnzimmer schlafen. Eine neue Zahnbürste wurde bei einem anderen Nachbarn angetroffen.

Dies ist das Ende des ersten Buches des Romans "Milliansstrass". Es gibt zwei Bücher. Das zweite Buch (über die Jahre 1962 bis 1968) wird im kommenden Jahr hier ins Blog gestellt.

(Dies ist ein fiktives Werk, auch wenn autobiographische Erfahrungen verarbeitet wurden.)

Milliansstrass - ein Fortsetzungs-Roman-Blog

Dieses Blog bringt den Roman Milliansstrass von Karl Weiss in der Folge, wie die Fortsetzungen im Blog http://karlweiss.twoday.net/ veröffentlicht werden.

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